Warum... willst du auswandern/ bist du ausgewandert???

Dieses Thema im Forum "Alltagsleben in den USA" wurde erstellt von Muus, 12. Februar 2009.

  1. Agrippa

    Agrippa New Member

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    Ich fand Macys immer ganz angenehm. Weniger zum ausruhen und wenn ich da bin, dann shoppe ich auch immer schön fleißig. Irgendwie scheine ich da keine Zeit zum ausruhen zu haben.
    Was ich auch glaube ist, dass man sich in den USA besser selbst verwirklichen kann als hier. Hier in Deutschland läuft alles immer nach ganz bestimmten Regeln, die eingehalten werden müssen. Ich merke es an meiner täglichen Arbeit, alles hat nach Schema F zu erfolgen. Abweichungen sind nicht vorgesehen. Irgendwie komme ich mir manchmal sogar vor wie ein Beamter. Was definitiv ein großer Vorteil in den USA ist, dass dort im Arbeitsleben vieles unbürokratischer vor sich geht. Und auch, wenn ich in späteren Jahren mal irgendwas anderes machen will, habe ich da Chancen. Hier in Deutschland habe ich noch zu Uni-Zeiten als Werkstudent für meinen jetzigen Arbeitgeber gearbeitet. So kam ich dann nach Abschluss des Studiums rein. Und ich kann im Grunde genommen nur im gleichen Bereich bleiben, würde ich mich aus der Rechnungslegung hinaus in etwas anderes bewerben, würde ich schief angeschaut werden und jeder würde davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt und mich ablehnen. Und da habe ich das Gefühl, das ist in den USA anders. Da kann ich dann auch mit weit über 40 noch auf die Idee kommen etwas ganz anderes zu machen und niemand findet es komisch. Hier kann ich es mit Mitte 20 schon nicht mehr...
     
  2. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Das Wechseln von einem Job in den anderen ist hier sicherlich leichter, da muss ich zustimmen. Allerdings fuehrt es leider auch dazu, dass man hier staendig mit Leuten zu tun hat, die von ihrem Job offensichtlich keine Ahnung haben (siehe oben - Handwerker).
    Und ueber "unbuerokratisch" musste ich jetzt gerade lachen. Aber damit kannst du dich auseinandersetzen, wenn du dann ausgewandert bist (obwohl ein bisschen faengt es schon an mit dem Papierkram fuers Visum).
     
  3. Emmaglamour

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    Nimm's mir nicht übel, Agrippe, aber Deine Vorstellungen von der Arbeitswelt in den USA sind bestenfalls mit "romantisch" zu beschreiben. Mit der Realität haben die nicht viel zu tun.
    Haha - Erlebnis eines lieben Freundes von mir; hat er mir gerade Freitag erst erzählt (Amerikaner übrigens, nicht, dass Du noch denkst, es wären nur die Deutschen, denen die Unfähigkeit hiesiger Betriebe auf den Schokoklicker ginge...): Freund kaufte sich bei Macy's ein Paar Schuhe. Nachdem er die einige Wochen getragen und für gut befunden hatte, beschloss er, sich das gleiche Modell in weiteren Farben zu kaufen, und er machte das über Macy's Online-Shop, weil er (wie ich übrigens) kein großer Freund vom Einkaufen ist und Malls nicht sonderlich mag. Freund bestellt also drei Paar Schuhe in Größe 11. Freund bekommt die Schuhe geliefert, in drei unterschiedlichen Lieferungen. Freund erhält: Ein Paar Schuhe in Größe 8, ein Paar Schuhe in Größe 9.5 und ein Paar Schuhe in Größe 13. Freund steht nun vor der Entscheidung, die drei Paar Schuhe, die er *nicht* bestellt hat, kostenpflichtig wieder zurückzusenden oder sie dort persönlich abzugeben - bei Macy's in der Mall - wo er ja nur so ungern hingeht. Freund beschließt, künftig nie wieder bei Macy's einzukaufen.
    :totlach
    Wie kommst Du darauf?
    In den USA sind Abweichungen erst recht nicht vorgesehen, weil hier ständig das Damoklesschwert der immens teuren Klage über den Firmen schwebt. Wenn in einem der Länder kulturell bedingt Dienst nach Vorschrift geschoben wird, dann sind es die USA.
    :totlach Das muss ich meinen Kollegen hier mal erzählen; die lachen auch gern. :D
    Entschuldige bitte, aber das ist doch Humbug. Ich habe in Deutschland in gefühlt sieben bis zehn unterschiedlichen Berufsfeldern gearbeitet, und zwar ohne Abschluss und dennoch gut bezahlt. Zimmerei-Handwerk, Bauzeichnen, Marketing/Direktwerbung, eigene Promotionagentur, Journalismus (auch in leitender Funktion), Public Relations (auch in leitender Funktion), Übersetzungen, Eventproduktion und -management. Habe kein Studium abgeschlossen, und der "höchste" Abschluss, den ich habe, ist eine abgeschlossene Berufsausbildung als Bauzeichnerin. Juckt in Deutschland keine Sau, weil dort - von wenigen Berufen wie etwa in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Justiz abgesehen - vorrangig darauf geachtet wird, was jemand tatsächlich kann und nicht so sehr darauf, welche Studien- oder Ausbildungsentscheidung jemand 20 oder 30 Jahre vorher getroffen hat.

    In den USA hingegen, wäre es für mich unmöglich, ohne einschlägigen Studienabschluss eine Festanstellung bei einer (anerkannten) Publikation zu bekommen; selbst die Werbe-, Text- und Marketingagenturen wollen in der Regel mindestens einen BA sehen. Schon deswegen, weil die sich (s.o.) ihren Anteilseignern, Kunden etc. gegenüber legal absichern wollen und müssen. Was meinst Du wohl, warum in den USA so viele Leute mit 40 oder 50 noch mal studieren? Nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen, da es quasi unmöglich ist, sich hochzuarbeiten, ohne die erforderlichen Abschlüsse mitzubringen. Und das heißt für viele, dass sie sich in dem Alter noch einmal mit Studienkrediten hoch verschulden müssen, ohne dass sie die realistische Chance haben, diese Kredite vor der Rente abzuzahlen. Da Studienkredite aber nicht erlassen werden (nicht mal im Zuge einer Privatínsolvenz), heißt das für diese Leute gemeinhin, dass stweder nie zur Ruhe setzen können, oder dass sie von ihrer knappen Rente irgendwie noch die Kreditraten abzahlen müssen - ein Traum.
    Das ist, wie gesagt, Unfug. Auch in Deutschland hat man die Möglichkeit, wenn man es denn will. Das liegt allein an einem selber. Meine Mutter hat in Deutschland mit Ende 50 noch mal 'was ganz Neues angefangen; nun ist sie 78 und macht das immer noch, weil es ihr Spaß macht und weil sie gut ist.
     
  4. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Hier mal ein Beispiel, wie flexiblel der amerikanische Arbeitsmarkt ist:
    Denise, die fuer die Firma arbeitet, die die Labels fuer unsere Produkte herstellt, hat gestern morgen gesagt bekommen: "Your position is no longer needed and we will let you go on Friday".
    Sie ist Mitte 50 und hat 25 Jahre fuer diese Firma gearbeitet.

    Jetzt darf sie mit Mitte 50 eine ganz neue Karriere starten. Ist doch toll, oder?
     
  5. Agrippa

    Agrippa New Member

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    Ich kann mal sagen, wie es hier in meinem Leben läuft: Ich habe BWL studiert, Schwerpunkt Rechnungswesen. Während des Studiums war ich Werkstudent in einem großen Versicherungskonzern in Köln in der Abteilung Grundsatzfragen, Rechnungslegung und Steuern. Das war ganz angenehm, da sie mich nach meinem Studium direkt übernahmen und ich nicht den Umweg über ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen gehen musste, um da wieder reinzukommen. Jetzt bin ich seit 2 Jahren im Bereich Rechnungslegung tätig. Hauptsächlich wird nach IFRS bilanziert. Wenn ich den Arbeitgeber wechseln will und bei einer anderen Versicherung oder auch Bank im Bereich Rechnungslegung arbeiten möchte - kein Problem. Wenn ich zu einem mittelständischen Unternehmen wechseln möchte, auch noch im Bereich Rechnungslegung, wird es schon schwieriger, denn da ist eher HGB als IFRS gefragt und dann kämen schon die Fragen, warum will der Typ wechseln, da kann ja irgendetwas nicht stimmen. Kurz, das wäre schon schwer. Wenn ich aber überhaupt keine Lust mehr auf Rechnungslegung habe und was ganz anderes machen möchte, kann ich das in Deutschland weitgehend vergessen. Denn mein Lebenslauf ist nur schlüssig in Bereich Rechnungslegung erklärbar. Quereinstieg in andere Branchen und Bereiche ist in Deutschland eher nicht gerne gesehen. Da wird sofort vermutet, dass man das, was man macht nicht kann und die Absage läuft dann nach 08/15. Ist in meiner Abteilung nicht anders. Alle Personen die hier arbeiten, haben einen ähnlichen Hintergrund wie ich, der größte Unterschied: Viele waren noch in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig, bevor sie zu uns kamen. Da wirbt mein Arbeitgeber ja auch bevorzugt Leute ab, die hier von solchen Gesellschaften eingesetzt werden. Das heißt, wir sind hier eine vom Werdegang ziemlich ähnliche Gesellschaft. Das ist in anderen Abteilungen nicht anders.
    Und jetzt vergleiche ich das mit Freunden und Bekannten aus den USA. Da studierte ein Freund mit mir zusammen. Der ging zuerst in eine Immobiliengesellschaft und wechselte dann zu LinkedIn und macht da was komplett anderes. Sein Büro bei der Immobiliengesellschaft in SF bot, neben vielen anderen, eine Art Hobbyraum, mit Schlafmöglichkeit. Jetzt bei LinkedIn ist es natürlich lockerer als in einer Versicherung, aber wenn schon etwas staubtrockenes wie eine Immobiliengesellschaft wesentlich lockerer war, wundert das nicht.
    In vielen mag es in Deutschland besser sein, aber im Bereich Selbstverwirklichung nicht. Da kann man die einmal eingeschlagene Richtung nur noch schwer ändern. Leider. Quereinstieg in andere Bereich ist dann nicht mehr vorgesehen.
     
  6. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du ein abgeschlossenes BWL Studium und hast 2 Jahre im Bereich Rechnungslegung gearbeitet und jetzt meinst du, dass du das fuer immer machen musst und keine andere Chance mehr in Deutschland hast?
    Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.Immer dran denken, nur weil man mal gehoert hat, das etwas nicht geht, heisst das nicht, dass es auch wirklich nicht geht. Hast du es denn mal selbst richtig versucht?

    Ausserdem gibt es ja auch immer Weiterbildungsmoeglichkeiten, die man wahrnehmen kann, um sich andere Arbeitsgebiete zu eroeffnen.

    Wenn du jetzt seit 20 Jahren in der Rechnungslegung mit deinem Programm arbeiten wuerdest, dann koennte ich mir vorstellen, dass dein Lebenslauf dich da auf etwas festlegen wuerde, aber du bist gerade mal 2 Jahre im Berufsleben, da baut man sich doch seinen Lebenslauf gerade erst auf und da ist es auch ganz normal, dass man nicht immer in derselben Abeteilung oder im selben Arbeitsgebiet arbeiten moechte.
     
  7. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

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    Erinnert mich an den Spruch: "Alle haben immer gedacht: "Das geht nicht." Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht." ;)

    Nachtrag: Der Admin arbeitet auch nicht mehr genau in dem Bereich, den er mal studiert hatte.
     
  8. Wendy

    Wendy Active Member

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    Die Idee, daß Du "festsitzt" hast Du nur in Deinem Kopf.

    Ich bin in Deutschland.

    Beispiel gefällig? Ich habe Industriekauffrau in einem Automobilkonzern gelernt.
    Nach der Ausbildung hatte ich die Chance, im Büro bei einem Reiseveranstalter einzusteigen. Der Job "erweiterte" sich.
    Dann wechselte ich in eine konzerngebundene Reisebürokette, wo ich "Gruppen- und Incentive-Reisen" organisierte. Außerdem machte ich nebenbei Reiseleitungen für ein Busunternehmen.
    Als das Betriebsklima schlecht wurde, suchte ich mir was Neues.
    Nun bin ich in einem Architekturbüro (das schon mehr als ein paar Jahre - weils abwechslungsreich und interessant ist und auch nach Jahren noch "spannend").

    Die Grenzen sind nur in Deinem Kopf.
     
  9. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

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    Lieber Agrippa,

    jetzt könnte der Moment sein, an dem Du ggf. denkst, dass wir Dir alles nur madig machen wollen. Wollen wir natürlich nicht, wir wollen Dir lediglich die Gläser deiner rosa Brille etwas putzen http://www.usa-auswandererforum.com...-schritt/3341-diskussion-zur-rosa-brille.html :rosa

    Das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns einfach nicht grüner und es ist für eine Auswanderung in der Regel keine gute Basis die Auswanderung damit zu begründen, was im Heimatland alles doof ist, denn 1. kommt es anders 2. als man denkt und 3. sind vor allem die Dinge die man in Deutschland doof findet in den USA nicht selten noch doofer ;)
    Daher finde ich, dass Abenteuerlust als Auswanderungsgrund eigentlich schon völlig langt :winke
     
  10. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Genauso sollte man das sehen. Als ein Abenteuer, das vielleicht ein Leben werden kann. Denn es sind ja nun so einige dageblieben.
    Es ist ja auch nicht alles schlecht, aber wenn ich das immer hoere, ich mag die Mentalitaet der Amerikaner, das Arbeitsleben ist viel besser, man hat mehr Moeglichkeiten...
    Das ist so alles nicht wahr.

    Klar, wenn man eine gottesfuerchtige, spiessige und kleinbuergerliche Mentalitaet gut findet, ist man hier schon mal richtig. Das sind hier gefuehlte 50 % der Menschen oder sogar mehr (wie gesagt, no statistics, just my feelings).
    In Deutschland gibt es genausoviele coole Menschen mit einer tollen Lebenseinstellung wie in Amerika. Und die, die in Amerika bleiben und "es geschafft" haben den amerikanischen Traum zu leben, die haetten es auch woanders geschafft, z.B. in Deutschland oder wer weiss wo.
    Diejenigen, die vor ihren Problemen fliehen, die schaffen es meistens nirgendwo, denn die Probleme kommen immer mit, denn sie liegen in einem selbst.
     
  11. middlestreet

    middlestreet New Member

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    Ich glaube, man vergisst schnell welche Möglichkeiten man hat, wenn man denkt, das Gras auf der anderen Seite ist grüner.

    IFRS schränkt Dich ein? Das Argument könnte ich beim HGB verstehen. Aber Du hast Interesse am Ausland, jetzt mal ganz unabhängig davon, ob Du selbst auswanderst oder nicht, da ergeben sich doch so viele Möglichkeiten.

    Und Deine Einschätzung zum Quereinstieg kann ich nicht teilen. Wir schauen uns ALLE Bewerber genau an. Wenn der Kandidat aber nicht schlüssig begründen kann, warum er das Feld wechseln möchte, dann erhält er natürlich eine Absage. Wenn er das aber macht, bekommt er eine Chance und meist sind das dann auch die vielversprechenderen Bewerber. Das Geheimnis ist, zu wissen was man möchte und das in der Bewerbung klar zu machen. Und genau das ist in den USA umso wichtiger. Denn dort stehst Du einem riesigen Markt an Bewerbern gegenüber. Da wird sicher (gerade im Finanzbereich) niemand eingeladen, weil er evtl. passen würde. Da werden die eingeladen, die absolut passen und aus denen ausgewählt.

    Was ich sagen will: Du musst Dein Ziel und Deinen Markt kennen, in beiden Ländern. Und das wird Dir als Ausländer in den USA um ein Vielfaches schwerer fallen, da Du erstmal viel über die Jobsuche lernen musst.

    Und ob ein Hobbyraum mit Schlafmöglichkeit so wünschenswert ist? Dann kann Dein Chef auch schnell mal sagen "Arbeite durch, hinlegen kannst Du Dich mal kurz im Hobbyraum". Ich finde sowas genauso wenig attraktiv wie Diensthandy und Dienstwagen, was auch nur bedeutet, dass man ständig erreichbar und ständig unterwegs sein wird.

    Wenn Du wirklich rausfinden möchtest, ob die USA was für Dich ist, ließ ein paar Monate mal Zeitschriften wie The Atlantic, Newsweek oder Time Magazine. Da wirst Du ganz schnell feststellen, dass die Arbeitnehmer in den USA Freizeit und Arbeit sehr viel weniger trennen als wir es tun, was auch sehr belastend sein kann. Das habe ich damals auch bei meinem Praktikum in den USA schon so erlebt. Wenn die Kollegin abends schon lange zu Hause war, haben wir sie dennoch angerufen, um einen Kunden doch noch spät abends zufrieden zu stellen. Und dass viele nicht ihre gesamten Urlaubstage nehmen, da es als eigensinnig rüberkommen könnte. Warum finanziert ein Arbeitgeber denn wohl einen Hobbyraum? Doch nur, dass Du auch Deine Freizeit im Unternehmen verbringst.
     
  12. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Das habe ich hier auch erlebt.
    Da hat man schon nur 4 Urlaubstage im Jahr, und dann hat der Mitarbeiter, bzw. die Mitarbeiterin in dem Fall, noch ein schlechtes Gewissen, die zu nehmen. :vogel
    Ich dachte, ich spinne, als ich das gehoert habe.
     
  13. Emmaglamour

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    Na, da freut die sich doch sicher, jetzt kann sie sich endlich so richtig verwirklichen. Vielleicht sogar noch ein neues Studium beginnen und sich bis über beide Ohren verschulden. Herrlich!
    Dass das "schwer" wäre, ist doch rein hypothetisch. Und wenn Du zwei Jahre nach Arbeitsaufnahme schon von Dir selber glaubst, dass Du derart festgefahren bist, dass Du nicht glaubhaft begründen könntest, dass Du Dich umstellen könntest, dann liegt das nicht an der angeblich mangelnden Flexibilität der Unternehmen, mein Lieber, sondern an Deiner höchsteigenen begrenzten Flexibilität.

    Ich hab' Dir ja nun auch schon aufgelistet, in welchen Bereichen ich in Deutschland gearbeitet habe. Ohne einschlägige Abschlüsse. Das dürfte Deinen Vorstellungen zufolge gar nicht möglich gewesen sein. War es aber. Ist es immer noch.
    Unfug.
    Grober Unfug.
    Prima Beispiel ist mein geschätzter Sportjournalistenkollege X, der u.a. als einer der anerkanntesten Fußballstatistiker Deutschlands gilt, und der für alle möglichen Publikationen arbeitet und auch in Festanstellung gearbeitet hat (auch für den DFB). Weißt Du, was der studiert hat? Sportwissenschaften womöglich? Journalismus oder Kommunikation? Ach wo. Der ist Historiker.

    Du machst es Dir eigentlich sehr einfach; Du baust Dir im Kopf alle möglichen Mäuerchen auf, die es Dir unmöglich machen, ein wenig über den Tellerrand zu linsen, und suhlst Dich dann im Selbstmitleid über all die Chancen,d ie man Dir partout nicht geben möchte. (Wie auch, wenn Du Dich um diese Chacnen nicht mal bemühst.) Und dann polierst Du Deine rosarote USA-Brille. Das kann man natürlich machen, wenn man das möchte, aber mir wäre das viel zu einseitig.
    Unfug. Wäre dem so, hätte ich als Bauzeichnerin wohl kaum im Marketing eines Radiosenders gearbeitet und deren Promotionsteam aufgebaut oder als Sportredakteurin in Europas größtem Zeitungsverlag gearbeitet oder die Public-Relations-Abteilung eines Profiteams geführt.
    Und warum schließt Du von einem einzigen Unternehmen aufs Ganze?
    Klar habe ich auch Bewerbungen abgeschickt, die direkt durch die Schema-F-Raster gepurzelt sind, weil ich keinerlei Studienabschluss, Volontariat oder sonstiges vorweisen konnte. Und soll ich Dir 'was sagen? Für solche festgefahrenen Unternehmen, die gerne nach außen hin proklamieren, dass sie "Querdenkern" eine Chance geben wollen, die tatsächlich aber Angst haben vor Querdenkern und die von den trockenene Ärschen schließlich den allertrockensten anheuern, würde ich überhaupt nicht arbeiten wollen. So eine Unternehmens"kultur" wäre mir komplett zuwider, und die verdienen meine Kreativität und mein Können und meine Leistungsbereitschaft überhaupt nicht. Deswegen haben mich Absagen, aus denen hervorging, dass ich wegen meines unkonventionellen Lebenslaufs schon mal nicht in Frage käme, auch nie gejuckt. (Zumal ich nie Probleme hatte, gute Stellen und gute Projekte zu finden.)
    Na, vergleich Dich doch mal mit meiner Freundin Y. Die ist Mitte 50, war früher mal Abteilungsleiterin bei Kroger's, wurde dann aber zu teuer und wegrationalisiert. Sie arbeitet seit sechs Jahren in Vollzeit als Ticketverkäuferin am Theater. Außerdem arbeitet sie Teilzeit (ca. 20 Stunden/Woche) als Ticketverkäuferin beim Orchester. Außerdem hat sie ein kleines Unternehmchen, das Druckertinte vertreibt. Meine Freundin ist eine absolut brillante Kundendienstlerin und Verkäuferin, die Eskimos Kühlschränke verkaufen könnte. Sie schafft jede Woche ca. 70 bis 80 Stunden, als alleinerziehende Mutter übrigens, und der wunderbare Kindsvater steuert nichts bei. Auch sehr USA-üblich, nebenbei bemerkt. Mit ihrer 70-bis 80-Stundenwoche verdient sie netto weniger als $25k/Jahr. Sie ist über ihren Vollzeitarbeitgeber krankenversichert, aber die Versicherungsdeckung ist derart beschissen, dass es sich wegen des hohen Selbstbehaltes nicht leisten kann, zum Arzt zu gehen. Sie ist wegen des Stresses und wegen ihrer sitzenden Tätigkeit morbid adipös, hat wahrscheinlich Diabetes und kann es sich, ich sag' es noch einmal, nicht leisten, zum Arzt zu gehen - trotz Versicherung. Ihre Tochter musste vor einiger Zeit in die Notaufnahme; Notaufnahme ist in der Versicherung nicht abgedeckt. Kosten für drei Stunden Notaufnahme: $18.000. Die muss meine Freundin irgendwie aufbringen, kann sie aber nicht, es reicht ja so schon von vorn bis hinten nicht. Theoretisch stehen ihr pro Jahr zwei Wochen Urlaub bei ihrem Vollzeitarbeitgeber zu. In den fünf Jahren, die ich sie kenne, hat sie eine Woche freigenommen, und das auch nur sehr schweren Herzens, und auch nur, um ihren vermutlich nicht mehr lange lebenden, schwer kranken Vater noch einmal sehen zu können. Vorigen Winter hatte ich einen Spendenaufruf für sie gestartet und $5000 für sie gesammelt, damit sie und ihre Tochter ENDLICH mal zum Arzt gehen können.
    Aber, hey, die kann sich sicher total toll selbst verwirklichen! Dass sie jede Woche mehrmals einfach so in Tränen ausbricht, weil sie total am Ende ist, zählt ja nicht. Hauptsache Selbstverwirklichung...
    :up
    So sieht es nämlich aus, so und nicht anders.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juni 2015
  14. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Ha, heute hat der neue sales rep angerufen..... position no longer needed but hiring someone else for it? :umfall
     
  15. Emmaglamour

    Emmaglamour Active Member Greencard

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    What the hell??
    Hatte Deine Freundin 'nen Arbeitsvertrag, oder war sie - wie hier in FL leider üblich - "at will" angestellt? Falls sie eine vertragliche Absicherung hatte, muss sie in so einem Fall klagen; das stinkt je geadezu nach Altersdiskriminierung. Bei "at will employment" hat man ja leider mehr oder weniger die absolute Arschkarte gezogen.

    Apropos "at will employment", da hab' ich noch ein selbsterlebtes Schmankerl für Agrippa:

    An dem Theater, für das ich drei Jahre gearbeitet hatte, war ich die zweitniedrigst bezahlte Angestellte, habe aber im Schnitt ungefähr 50 Wochenstunden abgeleistet; während Hauptbühnenproduktionen und gewisser anderer Phasen auch gerne mal 60 bis 70 Stunden/Woche und in den anderen Wochen dann lediglich 35 Stunden oder so. Natürlich keinerlei freie Wochenenden, und abends immer im Einsatz (was ein Privatleben erschwert und eine ausgewogene Work-Life-Balance unmöglich macht, nebenbei bemerkt. Aber, hey, Selbstverwirklichung und alle duzen sich und so. Total supi!).

    Ungefähr drei Monate, nachdem ich dort angefangen hatte und den ideellen Saustall, den meine Vorgängerin hinterlassen hatte, aufgeräumt und auf Vordermann gebracht hatte (zu der Zeit habe ich jede Woche mehr als 80 Stunden/Woche gearbeitet, nebenbei bemerkt, weil die Vorgängerin gut ein Jahr lang gar nichts gemacht hatte; ich hatte unter anderem 1921 unbeantwortete Emails abzuarbeiten und musste den vorn bis hinten ungenügenden Stamm ehrenamtlicher Mitarbeiter von ca. 200 auf 500 Freiwillige aufstocken, und sowas zieht man sich nicht mal eben aus dem Allerwertesten...), was mir übrigens großes Lob von allen Seiten einbrachte - Vorgesetzte, Kollegen, Ehrenamtliche, und Theaterbesucher, hatte das Theater seinen Jahresabschluss und musste dem Aufsichtsrat den Haushalt fürs kommende Jahr präsentieren, und da klafften tiefe Lücken. Unser Oberscheff hatte uns deswegen auferlegt, dass jeder eine Woche unbezahlten Urlaub nehmen und überdies fürs bevorstehende Haushaltsjahr 2% Gehaltseinbuße verzeichnen müsse; er selber würde sein Gehalt um 5% kappen. Fanden wir natürlich alle nicht toll, aber am Theater arbeitet man, weil man mit Herzblut dabei ist, und wir haben ums nackte Überleben gekämpft, also haben wir natürlich alle (murrend) eingewilligt. Ich durfte mir - anders als alle meine Kollegen - übrigens nicht aussuchen, wann ich meinem unbezahlten Zwangsurlaub nehmen wollte; mir wurde vorgeschrieben, dass das in einer produktionslosen Woche zu sein hatte, und mir wurde überdies nahegelegt, in der Zeit trotzdem - unbezahlt - administrativ zu arbeiten.

    Meine Zwangsurlaubswoche war die letzte Woche des Fiskaljahres. In der Woche darauf kriege ich 'ne Email unserer Finanzdirektorin, die mich dringend bittet, vor dem nächsten Zahltag persönlich bei ihr vorbeizuschauen; also vor dem nächsten Zahltag des neuen Fiskaljahres. Bin da also angetanzt, und was erzählt die mir? Genau, obwohl ich - wie alle anderen - einer Gehaltseinbuße von 2% zugestimmt hatte, was für mich finanziell gerade noch machbar war, wenn ich von meiner Vollzeitstelle meinen Lebensunterhalt vollständig bestreiten wollte, hatte unser Oberscheff - ohne mich zu fragen oder mich auch nur in Kenntnis zu setzen - mein Gehalt um 17% gekürzt. Ich hatte also in der ersten Woche des neuen Fiskaljahres ohne meine Zustimmung und - noch schlimmer - ohne mein Wissen und damit ohne Chance, zu reagieren, für ein Sechstel weniger Gehalt gearbeitet als vereinbart. Mir ist damals echt der Kiefer aufs Brustbein geknallt. Ich hatte meinem Arbeitgeber gerade dank monatelangen unermüdlichen Einsatzes zur geschäftigsten Zeit des Jahres den Hintern gerettet, und zum Dank kriege ich so einen Tritt in die Fresse. Das Beste: Die Kürzung war zwar unethisch und menschlich unter aller Sau, aber unter Floridas "at will"-Arbeitsgesetzen dennoch absolut legal.

    Als mein direkter Vorgesetzter das mitbekam, ist der komplett ausgeflippt. Ich hatte natürlich direkt meine Kündigung geschrieben (noch im Büro der Finanzdirektorin), mein direkter Vorgesetzter hat mich aber seinerzeit bekniet, die Kündigung noch nicht abzugeben. Der hat dann Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, ist direkt zum Aufsichtsrat marschiert (der nur den Gesamthaushalt absegnet, aber nicht die Details zu Gesicht bekommt) und hat die Gehaltskürzung rückgängig gemacht; ich bekam dann die Differenz auch bezahlt. Aber auf so einen direkten Vorgesetzten kann man sich nicht verlassen; ich hatte mit dem meinigen einfach Glück. Allerdings habe ich da aus erster Hand gelernt, dass hiesige Arbeitgeber - außerhalb gewisser Konzernsituationen - im Prinzip schalten und walten können, wie sie wollen und dass sie sich im Zweifel einen Dreck daraum scheren, ob und wie die Angestellten klarkommen. Und ja, ich hatte vorher (hinterher übrigens auch noch) ein gutes Verhältnis zum Oberboss; ich bin auch jetzt noch mit ihm befreundet. Er hat sich dann auch irgendwann mit einer Kombination aus Hirnfraß und großem Druck als Grund entschuldigt und zugegeben, dass es scheiße war, was er da gemacht hatte. Aber typisch ist es dennoch für die hiesige Arbeitgebermentalität (nur dass die meisten Scheffs derlei Hirnfraßaktionen nicht mal zugeben und sich erst recht nicht dafür entschuldigen wollen).
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2015
  16. anjaxxo

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    Genauso erlebe ich das hier auch. Hire and fire. Alles "at will" und nix ist garantiert.

    Nun mache ich meinen Job hier in Amerika wirklich gerne (wer arbeitet schon in seinem Urlaub, den er in Amerika verbringt? Mir macht es riesig Spass, und das Geld kommt natuerlich auch ganz gut und hey, ich hab ja immer noch die gruene Karte und darf das auch ganz legal).

    Und ganz ehrlich, wuerde es nur um den Job gehen, ich wuerde sofort tauschen und lieber diesen hier machen. Aber ich arbeite in Deutschland im oeffentilchen Dienst, mit 30 Tagen Urlaub im Jahr, Moeglichkeit einen oder mehrere Sabbatical-Monate zu nehmen, ich bin super krankenversichert, und und und. Das tauscht doch keiner, der ganz richtig im Hirn ist, gegen eine Stelle, die man wirklich von heute auf morgen verlieren kann, bloss weil dem Chef deine Nase nicht mehr passt. Ohne Chance zu klagen oder eine Abfindung zu kriegen oder aehnliches.

    Und da kann der Chef noch so sehr mit mir "befreundet" sein und sagen, dass mein Job sicher ist. Wenn ich das nicht schriftlich habe, ist es null und nothing wert.

    Nein, Denise hatte natuerlich auch einen "at will" Arbeitsplatz. Macht ja aber nix, hier sind ja alle so gut drauf und so flexibel. Und mit der tollen Mentalitaet und Lebenseinstellung stehen einem ja alle Tueren offen.
     
  17. Ulrich

    Ulrich Well-Known Member Citizen

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    Es schadet ja auch nicht, noch ein oder zwei Credits fuer die Social Security zu bekommen... ;)

    Dafuer muss man naemlich nicht ein ganzes Quartal arbeiten; das geht einfach nur nach dem Einkommen. Wenn Du eine Woche im Januar arbeitest und dabei $5000 verdienst hast Du Deine vier Credits fuer das Jahr schon beisammen.
     
  18. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    5000 die Woche????? :umfall
    Ich krieg fuer 10 Stunden von Deutschland aus 160/woche und jetzt 640/Woche.... :sparschwein
     
  19. Ulrich

    Ulrich Well-Known Member Citizen

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    War ja auch nur rein hypothetisch. Wollte damit nur sagen, dass man kein ganzes Jahr arbeiten muss umd seine vier Credits fuer die Social Security zu bekommen.

    Gucke mal, wenn Du jetzt zwei Wochen arbeitest dann hast Du schon fast genug fuer einen Credit und mit Deinen $160/Woche hast Du auch genug fuer einen Credit pro Quartal. Man weiss ja nie, wofuer man so etwas in der Zukunft mal braucht.
     
  20. anjaxxo

    anjaxxo Super-Moderator Mitarbeiter Moderator Sponsor Citizen

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    Das stibimmt natuerlich und ist auch ein bisschen ein Grund, warum ich das mache. Und ich arbeite jetzt sogar 4 Wochen hier, also fast einen Monat!
    Irgendwie ein Bauchgefuehl, mir alle Tueren offenzuhalten....wer weiss, was die Zukunft bringt. :hmm
     

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