Wohnen in den USA und DE

Dieses Thema im Forum "Alltagsleben in den USA" wurde erstellt von ToWi, 27. März 2018.

  1. Calis

    Calis Active Member

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    SF Bay Area
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    Die radelentfernung hab ich auch, so geht’s auch mit einem Auto und verdiene auch sechsstellig und meine Frau arbeitet auch, also nicht schlecht gestellt. Es fehlt an nichts, aber es ist nicht so, dass man das Geld rauswerfen kann.
    Hier ist es wirklich so, dass man unter 100000 fast nur für die Fixkosten arbeitet.
     
  2. Wendy

    Wendy Active Member

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    Ja, ich würde auch sagen, um den Lebensstandard zu haben mit der sozialen Absicherung, den ich in Deutschland mit meinem popligen Sekretärinnen Job habe, muß man in der Ecke mindestens die von dir genannten 100.000 $ verdienen. Besonders, wenn man nicht mehr ganz jung ist, ich berücksichtige da Urlaub, Krankenversicherung, Kündigungsschutz etc. mit. Und ich kann das sehr gut vergleichen, Auswanderer berücksichtigen häufig Kosten nicht, die in Deutschland ganz selbstverständlich niedrig sind, Dinge die man nicht zwingend immer in Anspruch nimmt, die aber heftig auf der Sollseite des Budgets auftauchen.
     
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  4. Mona

    Mona Member

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    St. Petersburg
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    Selbst in Florida, dem Billigstaat, muss man mehr als in Dland verdienen, um den gleichen Lebenstandard zu haben.
     
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  6. halvar100

    halvar100 New Member

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    East Bangor
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    Ich kann nicht zu allem Stellung nehmen was hier geschrieben wurde, just my experiences.
    Ich bin seit 2,5 Woche stolzer Hausbesitzer in den USA. Wie schon geschrieben wurde, das wichtigste ist Cash. Obwohl ich seit einem Jahr in den USA wohne und arbeite und schon einen fairen Creditscore habe war es schwierig einen Kredit hier zu bekommen. Vielleicht weil meine Situation relativ schwierig ist, mit laufender Scheidung und Hausverkauf in Deutschland. Aber, wenn man Cash hat, kein Problem. Man muss lediglich seinen Fahrausweis (US Driver's License) vorzeigen, einen richtigen Bankscheck dabei haben und man bekommt die Schlüssel. Das ganze ist viel einfacher wie in Deutschland. Auch die Gebühren sind viel niedriger. Ich habe ein Foreclosure erworben. D.h. ein Haus wo die ehemaligen Besitzer einfach "verschwunden' sind. Die Bank hat das Haus verkauft, und ich habe es erworben.
    Mein Haus liegt in PA. Man kann in den USA ein Haus fuer wirklich wenig Geld erwerben. Ich habe nur $126000 bezahlt. In Deutschland wohl undenkbar. Natuerlich kann man die Bausubstanz nicht mit der deutschen Qualität vergleichen. Aber braucht man das wirklich? Unbedingt immer der Propertytax beachten. Diese Grundsteuer bleibt einem erhalten. Falls man plant ein Haus zu kaufen, und ist nicht gebunden an einen Staat sollte man unbedingt einen Staat mit niedrigen Grundsteuern suchen. Ich bezahle, als Beispiel, $390 pro Monat. In New Jersey fuer das gleiche Haus, ca. $800. In Alabama, $50.
    Ich würde, als Rentner, ein Haus in Alabama kaufen. Kalifornien ist teuer. Die Grundsteuer ist meines Erachtens der wichtigste Faktor um zu entscheiden, wo man kauft, falls man flexibel ist.
     
  7. Wendy

    Wendy Active Member

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    Na ja - die Grundsteuer als wichtigsten Faktor zu bezeichnen halte ich für fragwürdig.

    Es nutzt doch nichts, ein Haus mit billiger Grundsteuer zu haben, wenn man dann in einem sozialen brennpunkt wohnt, wo die Schulen Mist sind und die Drogengangs offenen Krieg um einen herum führen. Da nutzt mir auch die billige Grundsteuer nichts.

    Und die Qualität der Schulen mag einen als Rentner nicht interessieren - als potentielle Eltern durchaus - und sollte man über einen Wiederverkauf nachdenken, ist das ebenfalls ein Thema.

    Unsere Freunde haben als Altersvorsorge ein Haus gekauft und es war klar - Kalifornien kommt - vor allem aus preislichen Gründen - nicht in Frage. Sie wollten etwas haben, was eine vernünftige Substanz hat, aber renovierungsbedürftig ist.

    Sie haben z.B. etwas in Texas gekauft - in der Region Austin. In einer nahegelegenen Kleinstadt. Diese Kleinstadt ist nicht nur ein abhängiger Vorort, sondern eine gewachsene Kleinstadt mit eigenständiger guter Infrastruktur, Schulen mit guten Bewertungen, seit Jahren wachsender Bevölkerung, eine gut gemischte Bevölkerung, keine ausgewiesenen Brennpunktviertel (zu klein dafür). Stabiles mittleres stetig langsam steigendes Durchschnittseinkommen im Ort. Und reichlich Jobs in attraktiver Pendlernähe. Das Haus ist älter, freistehend, neben einer aktiven „normalen“ gemäßigten Kirchengemeinde.

    Der Ehemann hat die nötigen Renovierungen selbst vorgenommen (und natürlich gab es – trotz solider Substanz und aller Zertifikate) die ein oder andere unangenehme Überraschung. Als es fertig war, konnten sie es unverzüglich erstklassig vermieten. Inzwischen hatten sie 2 mal neue Mieter – und jeder Mieter ist nur ausgezogen, weil er was kaufen wollte und hätte am liebsten das Haus selbst gekauft (aber unsere Freunde wollen nicht verkaufen, vermieten ist durchaus lukrativ).
     
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  9. Lileigh

    Lileigh Active Member Ehe-GC

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    Btw, foreclosure bedeutet nicht, dass die Vorbesitzer "einfach verschwunden" sind. Foreclosure bedeutet, dass die Vorbesitzer aus irgendeinem Grund ihre mortgage nicht mehr zahlen konnten und dann die entsprechenden Schritte von der Bank eingleitet wurden, um sich das Haus zurueckzuholen. Nach dem housing crash, beispielsweise, waren viele Hausbesitzer ploetzlich ohne Job und konnten ihre Haeuser nicht mehr halten. Andere konnten vorher Dank extrem hoher Zinsen und einem Kredit, den sie gar nicht haetten bekommen duerfen, ihre mortgage schon nicht mehr zahlen, was dann eben zum crash fuehrte. Einfach "verschwunden" ist der Grossteil nicht. Das sind Menschen, die bis zum bitteren Ende gekaempft haben und dann ohne Job schlussendlich obdachlos wurden, waehrend die Banken sich ins Faeustchen lachte. Ja, es gibt Besitzer, die einfach so verschwinden, hatten wir in der Nachbarschaft auch. Das mag vielleicht 10 Jahre spaeter wieder haeufiger passieren. Aber viele kaempfen und stehen schlussendlich vor einem riesigen Scherbenhaufen. Die "verschwinden" nicht einfach.

    Nach Alabama wuerde ich noch nicht mal ziehen, wenn man mir das Haus und die Grundsteuer auf Lebenszeit erlassen wuerde. Wie Wendy schon schrieb, ist die Grundsteuer extrem unwichtig.
    Ich hab' vier Kinder. Was meinste, was mich eine guenstige Grundsteuer in Alabama interessiert? Ein Freund von mir lebt in Alabama. Als Homosexueller steht die niedrige Grundsteuer wirklich ganz weit unten auf seiner Liste.
    Jobs, education, infrastructure, health insurance (allen voran Medicaid funding) sind die groessten Sorgenkinder in Alabama; einem der aermsten Staaten des Landes. An die Grundsteuer denkt da wirklich keiner, der von diesen Faktoren in irgendeiner Weise betroffen ist.

    Braucht man deutsche Qualitaet? Vielleicht nicht ganz so penibel, aber wenn man sich so einiges anschaut, dann sollten die Standards tatsaechlich etwas hoeher gesetzt werden und nicht erst dann, wenn die naechste Naturkatastrophe oder menschliches Versagen es schlussendlich erfordert.
    Man lebt oft nach dem Motto "if it ain't broke, don't fix it"... und selbst wenn es kaputt ist, klebt man es erstmal mit massig band aid ab bis es wirklich nicht mehr geht. Erst dann, wenn man dann auch noch wirklich Unsummen an Reperaturkosten angehaeuft hat, die man haette Danke besserer Plannung und maintenance vermeiden koennen, ja dann geht man die Sache an. So geht man mit vielen Projekten um.
    Was interessiert es, wie die Haeuser nach 10 Jahren noch stehen, hauptsache man hat innerhalb von vier Wochen eine komplette cookie cutter Siedlung errichtet, mit Haeusern, die nach nicht mal 10 Jahren dringend reperaturbeduerftig sind. Wir sind Mieter und leben in so einem cookie cutter house. Vermieterin fragte schon, ob wir es kaufen wollten. So putzig. Die weiss gar nicht, was so ein langjaehriger tenant (fast 10 Jahre schon) so alles ueber das Haus und all die Macken weiss. ;-)
     
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  11. FuAn

    FuAn Member

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    Naja Grundsteuer ist in sofern wichtig, als dass die monatlich oder jährlich eben nochmal oben drauf kommt. Gerade bei einem Portfolio Loan wird dir die Bank nur die Kreditrate fürs haus vorrechnen, weil kein Escrow notwendig, am ende des Jahres kommt dann je nach dem nochmal die fette 5stellige Rechnung fuer tax, insurance etc. on top, die man so aus Deutschland erstmal nicht kennt.

    Was die Bausubstanz angeht, es sind auch viele unentdeckte Dinge wie gerade bei der Elektrik, FI Schutz, Schutzleiter etc. gibt es alles nur weiss der mexikanische billigst Schwarzarbeiter des Contractors nicht wie man es anschliesst. Merkt auch erstmal keiner bis was passiert und da gibts die schon lange nicht mehr... Oder Plumbing funktioniert alles erstmal, gut warm und kalt Wasser wird gerne vertauscht, und beim nächsten Sturm drueckts dir die Scheisse vom Nachbarn durch den Abfluss hoch... Das ist auch in Florida nicht anders.
    Ich gebe Recht dass in Deutschland ganz sicher viel over engineered wird aber amerikanischer Hausbau ist gross im nach vorne blenden und hinten ganz grob pfuschen...
     
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  13. Lileigh

    Lileigh Active Member Ehe-GC

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    Zur Grundsteuer...natuerlich kann die extrem hoch sein usw. Aber ich wuerde das nicht als wichtiges Kriterium nehmen, wenn es um die beste Wahl des Staates zum Leben und Hauskauf geht. Wie gesagt, die guenstige property tax irgendwo in Alabama (oder anderen guenstigen Staaten) bringt einem doch nichts, wenn es aufgrund fliehender Arbeitgeber keine ausreichende und gut bezahlte Jobs gibt. Das mag eventuell tatsaechlich als Rentner machbar sein, weil er dort keine property tax zahlt und einem wirklich alles egal sein kann, weil die Kinder aus dem Haus sind und man soviel fuers retirement angespart hat, dass es egal ist, ob die jobs vorhanden sind oder nicht, oder ob Medicare und Social Security vor die Hunde geht. Wobei es den Rentner eben auch irgendwann betreffen wird, wenn viele Standorte im Umkreis schliessen, inklusive Arztpraxen, auf die er im Alter angewiesen ist.
    Arbeitgeber ueberlegen mehrmals, ob solche Regionen profitable sind oder nicht. Und wenn Arbeitgeber die deep Southern states eher kritisch als perfekten Industriestandort ansehen, wird es eben auch den Markt generell irgendwann beeinflussen. Wenn jobs fehlen und wegfallen, ziehen die Leute, die es koennen, weg und irgendwann folgt alles andere.
    Entsprechende Probleme gibt es nunmal und verursachen maechtig Kopfschmerzen, wenn es um die Haushaltsausgaben geht. Ohne stabile und wachsende economy keine Einnahmen, die noetig sind, um solche Probleme in Angriff nehmen zu koennen. Und wenn es ganz extrem kommt, werden so Dinge wie property tax dann recht fix erhoeht, um in Dinge zu investieren, die andere anlocken koennten.
    Bei uns hat man letztes Jahr die property tax, um einen ganzen cent erhoeht, da das Geld dazu gebraucht wird, um solche Dinge wie Infrastruktur zu verbessern, um die Stadt attraktiver zu machen. Das groesste Manko war und ist die fehlende Attraktivitaet. Investoren bemaengelten, und beklagen dies auch immer noch, dass die Stadt eben sie nicht anlockt, und sie nahmen das als Kriterium fuer ihre Investmentvorhaben. Ergebnis: Staedte in der Naehe von Raleigh wachsen munter weiter, weil diese das schon lange erkannt haben. Westlich der Stadt, sieht es auch besser aus, aber anderer county, andere Stadt.

    Da kommt dann von den Besitzern immer das grosse Heulen, weil sie etwas mehr bezahlen muessen, aber auf der anderen Seite wird sich beschwert, wie schlimm es um die Ecke steht. Geschimpft wurde ueber zerfallene Haeuser, dead downtown, fehlende Jobs, fehlende Mogelichkeiten fuer Kinder, fehlender und schlechter oeffentlicher Nahverkehr, fehlende Buergersteige (sprich, desastroese Infrastuktur im allgemeinen). So, jetzt hatte man unter anderem auch die property tax erhoeht, und das passt natuerlich auch wieder keinem. "Don't need bus transit. I have a car." "Don't need parks for kids. Don't have any." "Who cares about Downtown. I prefer Walmart."..."don't want to pay taxes. Taxes are theft."...die merken es einfach nicht und wollen es auch nicht verstehen. Keiner will Steuern zahlen, aber erwarten, dass die Stadt sauber, sicher und vorzeigbar ist. Funktioniert leider nicht ohne tax revenue. Der eine cent bringt der Stadt zusaetzliche $3 Mio ein.

    Natuerlich sind property taxes in vielen Ecken extrem hoch, aber wie gesagt, der Punkt wird irgendwann von der Prioritaetenliste verschwinden, wenn um einem herum andere Probleme zum Vorschein kommen. In den groesseren Staedten hat man es zum Beispiel noch einfacher, wenn es um Krankenversorgung geht. Sobald es aber in die rural Ecken geht, wird's kritisch. Da nuetzt es dem senior ueber 65 nicht, dass er in Alabama keine property tax dort zahlt, wenn er eine extrem lange Wartezeit in Kauf nehmen muss, weil es zu wenig Aerzte und facilities in seiner Ecke gibt.

    Wer natuerlich ein Haus hier drueben kaufen moechte, sollte schon ein paar Punkte beruecksichtigen, damit es auch bezahlbar bleibt, aber es gibt andere Faktoren, die unbedingt beruecksichtig werden muessen bevor man sich ein Haus mit all den dazugehoerigen Verpflichtungen ans Bein bindet.
     
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  15. Wendy

    Wendy Active Member

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    Letztlich läuft es darauf raus, dasder Staat für die Erfüllung der Pflichten gegenüber den Bürgern Geld braucht. Und wie er es nennt, wenn er es sich holt: Einkommenssteuer oder Grundsteuer.... Es muss in die Kassen fliessen, damit öffentliche Leistungen erbracht werden können. Keine Einnahmen = miserable Infrastruktur.

    Wer erwartet keine Abgaben zu haben, aber ein tolles Gemeinwesen, der träumt.

    Und lockt eine Gemeinde Unternehmen mit niedriger Unternehmenssteuer, dann muss die Kohle anderweitig kommen. Dann werden die Bürger belastet, denn Unternehmen fordern Infrastruktur. Das ist Trump Politik: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

    Und genug Leute glauben, das hilft dem normalen Bürger. Dabei darf der die Konzerne auch noch finanzieren...
     
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