My Life in the US Teil 9

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am 09.05.2013 um 19:16 (1132 Hits)

Heute mal ein bisschen Geplauder um das liebe Geld.

Da habe ich wohl den Prototyp Amerikaner erwischt, der von der Hand in den Mund lebt, sich keine Gedanken um die Zukunft macht, Freitags seinen paycheck bekommt, diesen dann cashed und alles ausgibt, bis zum naechsten paycheck (manchmal war er aber auch Mittwochs schon knapp bei Kasse).
Jedenfalls war es so, bis ich hierher kam.

Am Anfang hatte ich ja noch keinen Job, daher habe ich dann auch in den ersten 4 Wochen Geld von ihm bekommen, quasi als Haushaltsgeld und fuer mich, aber ich hatte ja auch noch mein eigenes Geld aus Deutschland.

Als ich hierhergekommen bin, hatte er kein Konto, keine Kreditkarte, nix, nur seinen woechentlichen paycheck. Keine credit history oder credit score, aber Schulden,die abbezahlt werden mussten.
Zum Beispielhat er jeden Monat seinem Vater Geld fuer den Jeep, den er sich vor 6 Jahren gekauft hatte, gegeben (500 Dollar im Monat :sparschwein).

“We will bejust fine with money” hat er immer gesagt, er hat ja einen gut bezahlten Job. Hatte er auch, aber ich wusste nicht, dass dieser nicht so supersicher war. Zum Beispiel wurde er dann einfach mal ein paar Wochen “laid off”, weil die Auftragslage gerade nicht so gut war, dies passierte zum Beispiel in dem Jahr als ich hergezogen bin, 4 Wochen vor Weihnachten, Gott sei Dank hatte ich da schon einen Job. Und er hat Arbeitslosengeld bekommen. Trotzdem nicht so prickelnd.

Er hat sich dann entschieden in meiner Firma auch anzufangen, viel weniger Gehalt, aber dafuer Krankenversicherung und ein paar andere benefits, wie bezahlte Feiertage.
Aber es hat ihm nicht gefallen und nun ist er wieder im painting business, arbeitet als temporary in einer Uniklinik. Im August ist er 1 Jahr da, dann muss er 3 Monate aussetzen und kann dann dort wieder anfangen.
And guess what? We will be just fine in den 3 Monaten…. AAAAAAHHHH

Nachdem ich mir das ein paar Wochen angeguckt habe, habe ich unsere Finanzen in die Hand genommen, ein saving account, ein health saving account und ein normales Girokonto eroeffnet.
Eine secured Kreditkarte beantragt und bekommen, dann nach ein paar Monaten eine normale, damit wenigstens einer von uns einen credit score aufbaut.
Ich habe von da an unser Geld verwaltet, Rechnungen bezahlt, Geld zurueckgelegt, und siehe da, jetzt koennen wir Autoreparaturen einfach so bezahlen und selbst die 650 Dollar fuer den neuen Warmwassererhitzer mit Einbau konnten mal eben lockermachen, oh Wunder. Und es ist immer noch Geld da, falls noch was Unerwartetes passiert und fuer unsere Urlaube (ich fliege nach Deutschland, er faehrt mit seiner Tochter Richtung Washington).

Dies alles hat mich viel Kraft, viele Nerven und eine Menge Streits gekostet. Manchmal bin ich nervlich ziemlich an der Grenze zum Ausflippen.

Es kommen eben auch unsere unterschiedlichen Ansichten, was die Ehe betrifft zum Tragen. Er denkt manchmal er kann mir Sachen verbieten (wie z. B. bei der Jobauswahl, ob ich einen Nebenjob habe oder auf Geschaeftsreise gehen "darf".) Der Mann hat das Sagen, ja, das war mal in den 50ern.

Ich bin auch nicht uebermaessig emanzipiert, aber ich wurde von meinem Vater nach dem Motto: "die beste Versicherung ist, wenn du dich selbst versorgen kannst" erzogen worden.
Und wenn Greg seine Schaefchen im Trocknen haette, fuer sich und seine Tochter vorsorgen wuerde und die richtigen Entscheidungen im Leben getroffen haette, dann wuerde ich ja noch auf seine Vorschlaege hoeren, aber so wie er ist, treffe ich Entscheidungen, vor allem was das finanzielle betrifft, lieber selbst.

Ich habe furchtbares Heimweh nach meiner Tochter, der es in Deutschland uebrigens blendend geht und ich sehne mich manchmal nach meinem eigenen kleinen Reich ohne Geldsorgen und Kompromisse.

Wir wohnen ja immer noch bei meinem Schwiegervater, was auch wirklich ok ist, aber es ist eben nicht meine Wohnung, es sind nicht meine Moebel, ich kann nicht einfach Sachen veraendern. Es sind viele Erinnerungen in dem Haus, aber nicht meine.

Und einfach was eigenes suchen geht auch nicht, erstens kann mein Schwiegervater das Haus nicht alleine unterhalten, wir machen eigentlich alles, Haushalt, Gartenarbeit,Reparaturen etc. und zweitens ginge es uns dann finanziell wesentlich schlechter und es waere nicht so einfach, zweimal im Jahr nach Deutschland zu fliegen (und das ist mir wesentlich wichtiger, als unsere Wohnsituation).
Meine Arbeit macht mir Spass, meine Familie hier ist nett, Geldsorgen werden weniger, aber richtig zu Hause fuehle ich mich nicht, kein Wunder ist ja auch irgendwie nicht“mein” zu Hause.

Mit meinem Mann verstehe ich mich nach wie vor sehr gut, wir lieben uns noch genauso wie vorher, obwohl wir wirklich durch einiges zusammen gegangen sind. Wir hatten schon so viele Streits, so viele Versoehnungen, so viele Sorgen, aber auch sehr viel Schoenes.

Wenn ich ihn nicht so lieben wuerde, dann wuerde ich, glaube ich, keine Sekunde ueberlegen, wo ich lieber wohnen wuerde, da waere ich schon im Flieger unterwegs nachDeutschland.

Mir fehlt meine gute Krankenversicherung, die alles zahlt (ich bin hier auch versichert, aber nicht vergleichbar), meine 6 Wochen Urlaub, meine Wohnung mit meinen Moebeln und MEINEN Erinnerungen, mein geregeltes , sicheres Leben und natuerlich allem voran MEINE TOCHTER.

Als naechstes steht das “removal of condition” an, das wir Ende Mai beantragen muessen. Vielleicht lassen sie mich ja einfach nicht hierbleiben…… :habenwill Hab aber keine grossen Hoffnungen :traurig1
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