My Life in the US Teil 4

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am 19.02.2012 um 17:52 (1607 Hits)

Lang, lang ist's her seit ich das letzte Mal geschrieben habe.

Was hat sich veraendert?
Meiner Tochter geht es hervorragend.
Ihre schulischen Leistungen sind unglaublich gut, obwohl sie immer noch 3 IB Faecher hat, hat sie einen Durchschnitt von 95,6 %. Finde ich super und bin sehr stolz.
Sie trifft sich auch inzwischen mit vielen Leuten hier und empfindet die Schule nicht mehr als so eine schlimme Belastung.
Trotzdem steht die Entscheidung immer noch, zurueck nach Deutschland zu gehen. Wir haben einen Flug fuer uns beide gebucht, Ende Juni, one way fuer meine Tochter und return flight fuer mich [​IMG]
Meine Gefuehle sind gemischt, ich freue mich unglaublich auf 2 Wochen Deutschland, bin unglaublich traurig, meine Tochter wegzugeben und freue mich riesig fuer sie, dass sie in ihre Traumschule zurueckdarf und ihr Leben so leben darf, wie sie moechte.
Wir verstehen uns so gut wie nie, und sie weiss, dass ich hier alles stehen und liegen lasse, falls sie mich in Deutschland braucht.

Und nun bei mir? Gar nicht so einfach, sich zusammenzuraufen, wenn man so lange allein gelebt hat und so seine Gewohnheiten hat.
Greg und ich haben ein paar Hoehen und Tiefen erlebt in dem halben Jahr. Ist eben doch was anderes, wenn man zusammen lebt und sich jeden Tag sieht.
Was ihn am meisten stoert ist, wenn Sandra und ich Deutsch reden, denn dann fuehlt er sich ausgeschlossen und denkt, dass wir ueber ihn reden.
Aber wenn wir am Abend zusammen beim Essen sitzen und Englisch sprechen und dann eine Frage an Greg stellen, kommt zu 80 % : What was that? What did you ask, honey? So dass wir denken, wenn er eh nicht zuhoert, wieso sollen wir dann Englisch reden. Und manchmal tut es eben auch gut, einfach so von der Seele wegzureden und mal nicht Englisch zu sprechen, schliesslich muessen wir das den ganzen Tag in der Schule und bei der Arbeit.
Was mich am meisten stoert sind Gregs Stimmungsschwankungen. Alles ist super, und auf einmal faengt er aus dem Nichts einen Streit an, meistens ueber Nichtigkeiten, dann knallt er Tueren und flucht ganz furchtbar. Damit kann ich gar nicht umgehen, fuer mich muss immer alles ausdiskutiert werden, wenn mich was stoert, dann sage ich das. Bei mir staut sich auch nichts auf, denn ich warte immer hoechstens einen Tag bis ich sage, was mir nicht passt und lasse es nicht so lange in mir drin.
Greg scheint alles in sich reinzufressen und dann bringt ein kleiner Tropfen das Fass zum Ueberlaufen. Und manchmal habe ich das Gefuehl, es ist auch einfach nur, um ein Drama anzuzetteln, und da ich ein harmoniesuechtiger Mensch bin, kann ich damit gar nicht umgehen.
Tausendmal haben wir schon darueber gesprochen, ist ja nicht so, als wenn das erst hier aufgetaucht ist, das war auch schon so, als wir noch telefoniert haben, aber eben nicht so oft. Dann ist er beleidigt, du denkst, das war's jetzt, aber am naechsten Tag ist alles wieder gut, obwohl man nicht mal drueber gesprochen hat.
Aber trotz druebber reden, geaendert hat sich nie etwas.
Und dann haben wir vor etwa 3 Wochen ein langes Gespraech gehabt, und da habe ich ihm gesagt, dass ich nicht weiss, wie lange ich das noch aushalten kann, ich kann damit nicht umgehen, das ist fuer mich Kindergarten, Tueren knallen und beleidigt sein habe ich als Kind gemacht, ich finde, aus dem Alter sind wir raus. Und das hat ihn tief beeindruckt und er hat Angst bekommen, mich zu verlieren. Er hat mir gesagt, dass er nicht weiss, warum er manchmal so reagiert, fuer ihn war das ganz letzte Jahr (aus anderen Gruenden, hat nix mit meiner Auswanderung zu tun) nicht einfach und er hat unglaubliche Stimmungsschwankungen und es tut ihm leid, dass er das an mir ausgelassen hat. Nun laeuft alles wieder super und wir sind gluecklich, wie am Anfang.

Jobmaessig habe ich ja im Forum schon ein bisschen geschrieben, war es recht turbulent die letzten Wochen und ich hatte schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.

Zurzeit arbeite ich ja immer noch in der Verpackung von Wuerstchen und Schinken etc. und habe mich immer weiter nach neuen Jobs umgeschaut, aber wo auch immer ich mich beworben habe, habe ich nie eine Antwort erhalten, das einzige was kam, waren Jobangebote von Versicherungen, bei denen man auf Provisionsbasis arbeitet, nein danke, mein Gehalt ist zwar nicht hoch, aber es ist sicher und kommt jede Woche brav auf mein Konto.

Und dann kam auf einmal eine Email aus dem Nichts von einer Firma in Rochester, die mein Resume auf einer Jobseite gefunden hat und mir einen Job im Buero angeboten hat.
10,50 Dollar pro Stunde und eine Bonuszahlung von 750 Dollar pro Monat, aufgrund meiner languageskills in Deutsch. Das waeren umgerechnet ca. 14,80 Dollar pro Stunde gewesen, schlappe 4,80 mehr als ich jetzt verdiene.
Ich bin zum Vorstellungsgespraech hin und hab den Job sofort angenommen, weil die alle so nett da waren und der Job sich superinteressant angehoert hat. Waeren zwar Arbeitszeiten von 4 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags gewesen, aber das aufgrund der Zeitverschiebung mit Deutschland, denn ich haette deutsche Kunden zu betreuen gehabt neben den amerikanischen.

Freitags hatte ich das Vorstellungsgespraech und Montags bin ich dann gleich zu meinem Chef gegangen und wollte kuendigen, aber dann hat er gesagt, das haette er noch nie jemandem gesagt, aber er moechte mich auf keinen Fall gehen lassen.
15 Dollar koennte er mir nicht anbieten, aber 13 Dollar und die Option auf Gehaltserhoehung in den naechsten Monaten, wenn ich meine Arbeit gut mache, und er moechte mich im Buero haben, das wollte er schon lange, aber haette wohl einen "push" wie dieses Gespraech gebraucht, das auch endlich durchzuziehen.
Er wolle mir ein eigenes Buero geben und einen Computer und Schreibtisch fuer mich bestellen und ich sollte mir doch gut ueberlegen, ob ich nicht doch dableiben wollte.
3 Tage habe ich mir Zeit gelassen und hin und her ueberlegt und mich dann fuer meine alte Firma entschieden, denn ich arbeite gerne dort, es ist gleich um die Ecke und ich arbeite nur 4 x 10 Stunden dort,, habe also immer 3 Tage Wochenende.
Und die 13 Dollar die Stunde fand ich auch fair, denn 1,80 dollar mehr waere fuer Sprit draufgegangen und da die andere Firma ja so eine komische Regelung mit der Bonuszahlung hatte, verdiene ich in meiner alten Firma mehr wenn ich Ueberstunden mache (naemlich 19,50 und in der neuen Firma waeren es nur 16 Dollar gewesen).
Mal sehen,ob das die richtige Entscheidung war.

Bis jetzt ist der Computer und der Schreibtisch noch nicht da, ich hoffe, das geht jetzt schnell.

Nun noch ein bisschen ueber den amerikanischen Alltag.
Es ist schoen hier zu leben. Die Menschen sind nach wie vor sehr freundlich, auch wenn man kein "Urlauber" ist, viel kundenfreundlicher und ich liebe den kleinen smalltalk hier und da.
Was das oberflaechliche angeht, kann ich das allerdings auch bestaetigen, diesmal aus der Sicht meiner Tochter.
Sie sagt, dass alle superfreundlich sind in der Schule und es kommen dauernd Angebote, wir muessen uns mal treffen dieses Wochenende und dann wird etwas geplant und im letzten Moment sagen sie dann ab.
Meine Tochter sagt jetzt immer "jaja" und rechnet schon gar nicht mehr damit, dass es klappt, aber sie hat schon die eine oder andere Ueberraschung jetzt erlebt, dass es doch geklappt hat, da gab es movie-evenings, ice-skating und sleep-overs, aber man kann sich nie darauf verlassen, daher hat sie jetzt aufgehoert, sich darauf zu freuen und freut sich erst, wenn es wirklich klappt.

Ich selbst habe noch keine wirklichen Freundschaften geschlossen.
Das liegt aber eher daran, dass ich nicht rausgehe, weil ich einfach zu platt von der Arbeit bin und es geniesse, zu Hause mit meinem Mann und meiner Tochter "rumzugammeln"
Meine engste Vertraute hier ist meine Schwaegerin Sherry, mit der ich mich super verstehe und mit der ich ueber alles reden kann.
Und wenn ich den Buerojob anfange, dann bin ich auch wieder fit und dann gehe ich mit ihr zu "Planet fitness" und da lerne ich bestimmt ein paar Leute kennen. Hoffentlich. :)

So, genug Seelenstriptease fuer heute.
See ya. :winke
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