My Life in the US Teil 3

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am 03.10.2011 um 04:27 (3419 Hits)

Huhu meine Lieben :winke

Ich schreib mal ein bisschen in meinem Blog weiter:

Schule und eine schwerwiegende Entscheidung


Ich hab's ja schon in mehreren Beitraegen angedeutet, waehrend es mir sehr gut geht, geht es meiner Tochter immer schlechter.

Da sie ja den Wunsch geaeussert hat, in 2 Jahren wieder nach Deutschland zu gehen, um dort zu studieren, dachten wir, dass es eine gute Moeglichkeit waere, keine Zeit zu verlieren (in 2 Jahren haette sie ja Abitur gemacht), wenn wir sie beim IB Programm anmelden.

Dies haben wir auch gemacht.
Ihr Stundenplan ist fuer jeden fast Tag gleich:

A Tag:
IB Arts
IB French
IB English
IB Math Methods
IB Theory
Lunch
Gym
IB Biology
IB Biology

B Tag
IB Arts
IB French
IB English
IB Math Methods
Study Hall
Lunch
Gym
IB History
IB History

Das Doppelstundensystem, das wir von Deutschland gewohnt sind, gibt es hier nicht. Die Stunden sind genau 43 Minuten lang und zwischen jeder Stunde gibt es eine Pause von 4 Minuten, um in den naechsten Klassenraum zu hetzen.

Jeder Lehrer gibt jeden Tag Hausaufgaben auf und zwar nicht zu knapp.
English fing an mit einem Text von Ralph Waldo Emerson ueber Self-Reliance. Wenn ihr Lust habt koennt ihr euch den Text ja mal im Internet angucken und versuchen ihn zu verstehen, ich dachte immer, mein Englisch waere ganz gut, aber das hat mich dann doch an die Grenzen gebracht.
Gott sei Dank haben wir im Internet eine Uebersetzung ins "moderne Englisch" gefunden, ohne die waeren wir total untergegangen.

In Mathe versteht meine Tochter zurzeit nur Bahnhof und ich muss sagen, auch da komme ich an meine Grenzen und kann ihr nicht mehr helfen.

Ueber das Tennisteam hatte ich ja schon ein bisschen geschrieben, nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch, jeden Tag nach der Schule ist entweder Training oder ein Spiel und das heisst, dass Sandra zwischen 5 und 8 Uhr abends zu Hause ist und dann muss sie noch Hausaufgaben machen, oft sitzt sie bis 12 oder I Uhr daran und um halb 6 klingelt schon wieder der Wecker.

Sie wirkte nach der ersten Schulwoche schon gestresst, letzte Woche hat sie schon ein paar Mal geweint, weil sie voellig ueberfordert war und heute war dann der Supergau. Sie weinte, dass sie einfach nicht mehr kann. Das war wirklich ein furchtbarer Moment. Ich hatte das Gefuehl, dass sie kurz vorm Burn-out stand.

Wir haben dann ein sehr langes Gespraech gefuehrt und eine (hauptsaechlich fuer mich) sehr schwere Entscheidung getroffen.
Wir haben uns entschlossen morgen mit dem Counselor der Schule zu sprechen und sie aus dem IB-Programm herauszunehmen.
Das heisst, dass sie versuchen will, ins Senior year zu kommen und einen normalen High school Abschluss zu machen und dann zurueck nach Deutschland zu gehen und dort ihr Abitur auf dem Internat zu machen.
Ich hatte ja gehofft, dass sie vielleicht doch Gefallen an dem Leben hier findet und bei mir bleiben will und nun wird es wohl so sein, dass sie sogar noch ein Jahr frueher nach Deutschland zurueckgeht. [​IMG]

Aber ich muss sagen, ich habe meine Tochter noch nie so freudlos und verzweifelt gesehen, mit dicken Raendern unter den Augen und total blass.
Heute habe ich sie endlich mal wieder lachen sehen und singen gehoert, das war ein tolles Gefuehl und hat mich in dem Gefuehl bestaerkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Die Schule hier ist auch ganz anders, als wir es von Deutschland gewohnt sind.
Ueberall in der Schule laufen Security guards herum, es ist in der Schule verboten, sich in den Gaengen aufzuhalten und die Security guards sorgen dafuer, dass das auch eingehalten wird.
Man darf nicht einmal am Spind auf jemanden warten. Es ist nur erlaubt von Klasse zu Klasse zu gehen. Die Pausen finden ausschliesslich im Schulgebaeude statt, entweder in der Cafeteria (Lunch) oder Study Hall in einem Raum, in dem man nur ruhig lesen und Hausaufgaben machen darf, die Pausen sind auch nicht fuer alle gleich, sondern fallen je nach Stundenplan an, manche haben in der 3., manche in der 4. oder in der 5. Stunde Lunch, manche auch gar nicht, wenn sie mehr Faecher gewaehlt haben.

Die einzigen Faecher, die meiner Tochter richtig Spass machen sind Franzoesisch (da ist sie die beste in der Klasse, die Klasse besteht aus Juniors und Seniors, die Lehrerin wollte sie in die Senior Klasse stecken, weil sie bei den Juniors voellig unterfordert waere, aber das ging leider nicht) und IB Theory (das ist so ein bisschen aehnlich wie Philosophie, aber ohne schwere Texte, es ging zum Beispiel um unterschiedliche Wahrnehmung und das Hoehlenbeispiel von Sokrates wurde besprochen).
In Englisch und Geschichte kommt sie ganz gut mit, aber nur mit einem Riesenaufwand an Arbeit zu Hause.
Biologie und Mathe sind ihre Hassfaecher.

Wobei ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich den Mathelehrer jeden Tag ertragen muesste, waere das fuer mich schon ein Grund, das Land zu verlassen oder zum Moerder zu werden (ein voellig selbstgerechter, selbstverliebter Spassvogel, der mir am "open house day" der Schule schon so auf den Keks gegangen ist, dass ich am liebsten den Klassenraum verlassen haette.).
Seine Website heisst :"Mr. Reuters Super Duper Website" - das sagt doch schon alles, oder?

Die letzten Wochen habe ich nach der Arbeit damit verbracht, meiner Tochter bei den Hausaufgaben zu helfen, so gut ich konnte, und sie seelisch wieder aufzubauen.
Daher war ich auch nicht so viel online hier.

Job - Mitarbeiterversammlung, die zum Nachdenken anregt

Nun mal zu mir und meinem Job

Ich hab ja erzaehlt, dass mir mein Job, obwohl es ja nur Wuerstchen verpacken ist, dennoch Spass macht und die Leute sehr nett sind und auch die Arbeitsathmosphaere.

Am Donnerstag letzte Woche hatten wir dann ein "staff meeting" bei dem ich echt gedacht habe, ich bin im falschen Film.
Fing eigentlich ganz normal an, mir wurde erklaert, dass das Treffen einmal im Monat stattfindet, um Fehler auszuraeumen und zu diskutieren, Fragen zu beantworten, den Mitarbeiter des Monats zu benennen, und die Mitarbeiter zu motivieren usw.

Soweit so gut.
Und dann ging es los.
Es wurde ein Text vorgelesen: Winner vs. Loser

Ich hab's euch mal kopiert:

A winner is always part of the answer.
A loser is always part of the problem.
A winner always has a plan.
A loser always has an excuse.
A winner says: "Let me do it for you."
A loser says: "That is not my job."
A winner sees an answer for any problem.
A loser sees a problem for any answer.

A winner sees a green near every sandtrap.
A loser sees two sandtraps near every green.
A winner says: "It may be difficult but it's possible."
A loser says: "It may be possible but it's too difficult."

Dann wurde dieser Text mit dem Satz geschlossen:

LET US BE A WINNER!!!

Idiotische Fragen wurden gestellt, bei dem sich die Mitarbeiter melden sollten, ich kam mir vor wie im Kindergarten.

Dann wurde noch mal betont, wie dankbar wir doch sein muessten, dass wir bezahlte Feiertage haetten, aber natuerlich muessten wir das auch ein bisschen vor und nacharbeiten, das waere ja selbstverstaendlich, und wer das nicht wollte....man muesste die Feiertage ja nicht bezahlen, nach dem Gesetz koennten sie ja den Laden einfach dicht machen und wir wuerden kein Geld bekommen.

Ich dachte nur, wenn ich dir jetzt dafuer drei mal am Tag die Fuesse kuessen muss, dann kriege ich den Tag lieber nicht bezahlt.

Ich kam mir ein bisschen vor, wie in so einer Sekte oder wie bei so einer Walmart Veranstaltung fuer Mitarbeiter (da hatte Emmaglamour mal so ein Video geposted) oder wie beim Film "Der Scheinheilige" mit Steve Martin.

Ok, das aendert jetzt nichts daran, dass ich trotzdem gerne dort zur Arbeit gehe, aber gab mir zu denken und zeigt auch ein bisschen, wie das hier in Amerika teilweise laeuft.

to be continued...... :usa
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