My Life in the US Teil 14

Veröffentlicht von anjaxxo in dem Blog anjaxxo's Blog. Aufrufe: 232

am 20.05.2014 um 14:42 (1258 Hits)

Tja, mein Leben hier naehert sich so langsam dem Ende zu. In 38 Tagen geht der Flieger zurueck nach Deutschland, diesmal one way.

Greg und ich haben uns nun geeinigt, dass wir unsere Ehe nicht beenden wollen, sondern es erst einmal wieder mit long-distance versuchen. Es sind eben doch noch Gefuehle da und man will ja eine Ehe nicht so einfach aufgeben.

Wir werden aber diese Woche einen legal separation Vertrag aufsetzen (dies ist allein mein Wunsch, um mich finanziell abzusichern und nicht fuer eventuelle zukuenftige Schulden aufzukommen). Damit war er auch sofort einverstanden.

In Deutschland ist schon fast alles geregelt.
Am 28.6. lande ich in Duesseldorf und lerne dann endlich meine gute Freundin Ezri kennen, die ich noch nie persoenlich kennengelernt habe, die mich aber ueber Jahre jetzt durch dick und duenn begleitet hat und wie auch noch einige andere hier im Forum, mir sehr ans Herz gewachsen ist.

Dann geht es zu meiner Schwester und ihren Kids, dort bleibe ich eine Woche, sehe einige Freunde und natuerlich auch meine Mutter. Meine Schwester und ich fahren dann Sonntag auf meine heissgeliebte Insel und bringen schon mal meine ganzen Brocken in mein Apartment :hurra Dort bleiben wir dann bis Donnerstag und dann fahren wir zur Nordseekueste zur Schule meiner Tochter, denn am Freitag ist ihr grosser Tag, Zeugnisuebergabe, Abifeier und Abiball.
Am naechsten Tag muss sie gleich ihr Zimmer um 10 Uhr geraeumt haben, und dann ziehen wir ihre Sachen um nach Berlin.
Dort treffe ich mich dann auch auf einen Kaffee mit AllyKay, darauf freue ich mich auch schon riesig!

Wenn dann alles eingeraeumt ist (in die Wohnung, die meine Tochter noch gar nicht hat :hmm) dann geht es wieder in meine Heimatstadt, fuer mindestens eine Woche. Dort ueberlege ich dann, ob ich mir ein Auto kaufe oder nicht und dann geht es auf meine Insel.

Am 1.8. fange ich dann wieder in der Klinik in meinem alten Job an.:wohoo Und so wie es aussieht, ebenfalls meinen Nebenjob bei LIDL.

Fazit ueber meinen Aufenthalt hier: Es ist ein wunderschoenes Fleckchen Erde. Man kann hier wunderbar leben. Wenn ich nicht so viel Heimweh gehabt haette, dann haetten wir wahrscheinlich irgendwann ein kleines Haeuschen gekauft, denn kaufen ist hier wesentlich billiger als mieten (was wahrscheinlich der Grund fuer die vielen Schulden der Amerikaner ist). Gestern habe ich gelesen dass der durchschnittliche Amerikaner credit card debts in Hoehe von 15,000 Dollar hat. Das ist schon enorm.

Die Amerikaner, die ich hier kennengelernt habe, haben mich in der Regel sehr nett aufgenommen, waren sehr freundlich und hilfreich. Aber ich habe auch eine andere Seite kennengelernt. Ich halte ja mit meiner politischen Meinung nicht hinter dem Berg und aeussere mich auch zu den (fuer mich) unglaublichen Waffengesetzen hier.
Da habe ich dann schon mal gehoert: Wenn es dir hier nicht gefaellt, dann geh doch einfach wieder in dein Land zurueck.

Ein Spruch, der unglaublich weh tut, wenn man ihn zu hoeren kriegt, vor allem wenn man eh schon Heimweh hat und mit seiner Situation nicht so sehr zufrieden. Ich denke, wenn ich soetwas zukuenftig in Deutschland hoere, dann werde ich mich noch mehr darueber aufregen als vorher schon.
Nur weil man in einem Land nicht geboren ist, darf man trotzdem eine politische Meinung haben und sich auch dazu aeussern. Wie traurig waere es, wenn dies nur den "Eingeborenen" vorbehalten waere.
Es ist ja nicht alles schlecht, nur weil es nicht amerikanisch oder nicht deutsch ist.

Ein bisschen mehr Umweltschutz wuerde den Amerikanern zum Beispiel sehr gut tun, etwas, was mich hier immer aufregt. Erst am Samstag waren wir in einem sehr schoenen Restaurant essen. Unser Wasser und Ginger Ale kamen im Plastikbecher. Sowas verstehe ich einfach nicht.

Ich denke aber, dass man hier sehr wohl gluecklich sein kann. Ich habe es ja eigentlich auch "geschafft", einen guten Job gefunden, meinen credit score langsam aufgebaut, wenn Greg jetzt noch einen sicheren Job gefunden haette, haette man wirklich schon ueber ein Haeuschen nachdenken koennen. Dann haette man sich selbst einrichten koennen, sich mit Sachen umgeben koennen, die man mag und liebt. Da waere der Wohlfuehlfaktor doch schon ganz anders gewesen, als in einem Haus, das vollgestopft ist mit Junk und Erinnerungen eines alten Mannes.

Aber es hat ja auch in der Ehe leider nicht so gestimmt. Die Fronten sind jetzt geklaert, ich habe ihm gesagt, was sich aendern muss. Vor allem fehlt mir die Lebensfreude.
Greg und seine Tochter sind bei allem immer gleich eingeschnappt und beleidigt, geht es mal nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben, dann ist die Laune gleich im Keller und man kriegt sie da auch sehr schlecht wieder hoch. Seine Tochter haengt den ganzen Tag in ihrem Zimmer vorm Computer und wir sind dadurch ans Haus gefesselt am Wochenende. Jedes Wochenende ist irgendein Drama, fuer mich voellig untragbar. Ich komme aus einer sehr harmonischen Familie, klar, Zoff gab es auch schon mal, aber davon haben wir uns nicht runterziehen lassen.

Wenn ich nicht selbst Radtouren mache, mal zum See fahre oder die beiden ueberrede, mal ein Musical oder eine High School Auffuehrung zu besuchen, passiert gar nichts am Wochenende.

Gegessen wird nur junk, zumindest meine Stieftochter, was auch immer ich an Gemuese koche, wird strikt verweigert, Pizza, Chicken Nuggets, French Fries, Donuts, Croissants, Tuna Fish Sandwiches (Dose Thunfisch mit Miracel Whip verquirlt auf Weissbrot), Chips und ice cream ist alles was sie isst. Wundern sich aber, dass sie mit 12 Jahren schon einen erhoehten Cholesterinspiegel hat. :wohoo

Und natuerlich die leidigen Finanzen. Greg hat jetzt ein eigenes Konto, eine eigene Kreditkarte und versucht immer noch, einen festen Job zu bekommen, der ihm auch ein bisschen Sicherheit bietet. Bis jetzt klappt das mit Rechnungen bezahlen ganz gut, mal sehen, ob es auch so bleibt. Sein Schulden sind jetzt auf 0, und das in 3 Jahren. Ihr duerft mich Anja Zwegat nennen (ich bin unglaublich stolz darauf).

Mal sehen, wie es jetzt weitergeht. Ich bin erst einmal froh, bald wieder auf meiner Insel zu sein, meine Tochter oefters zu sehen und zu versuchen, langsam wieder das aufzubauen, was Greg und ich mal hatten, bevor ich hierhergekommen bin.
Ich habe ihm schon gesagt, wenn er mir am Telefon immer vorjammert wie schlimm alles ist, dann werde ich wohl kaum Lust haben, anzurufen. Genauso wird es bei meinen Besuchen sein.

Ich moechte mich wieder darauf freuen koennen, Zeit mit ihm zu verbringen. Mal gucken, ob das klappt.

Ich habe ihm gesagt, dass es seine Entscheidung ist, ob er Erfolg hat oder nicht, ob er Glueck hat oder nicht. Die Entscheidung trifft man jeden Tag aufs neue. Und diese Entscheidung kann auch kein anderer fuer ihn treffen. Man muss in sich selbst gluecklich werden, bevor man Glueck weitergeben kann. Daran glaube ich ganz fest (das Wort zum Sonntag.... :) )

So, nun muss ich mal wieder arbeiten. :winke
Du musst angemeldet sein um zu kommentieren