My Life in the US Teil 13

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am 20.02.2014 um 17:37 (1294 Hits)

Gestern war das Interview fuer mein RoC (Removal of Condition) und ich denke es lief ganz gut, jedenfalls hat die Dame gesagt, es saehe alles gut aus und sie wuesste im Moment keinen Grund, warum es abgelehnt werden wuerde.
Dennoch wuerde sie sich noch einmal alle Unterlagen angucken und dann in 1 oder 2 Tagen, die wahrscheinlich positive Entscheidung treffen.
Ich habe das alles sehr entspannt verfolgt, denn wenn es abgelehnt worden waere, haette es mich nicht wirklich treffen koennen, denn meine Entscheidung steht inzwischen, dass ich gerne wieder nach Deutschland moechte.

Ueber die Gruende bin ich mir heute so richtig klargeworden, als ich mit meiner Kollegin und Freundin Laura ueber meine Gefuehle zurzeit gesprochen habe.
Ich habe ihr naemlich gesagt, dass ich gerne auf einen Zeitpunkt warten wuerde, bei dem gerade alles in Butter ist, Rechnungen alle bezahlt, Greg hat einen Job und ich kann dann sagen, von hier an musst du es jetzt alleine schaffen.
Und Laura sagte: Und was, wenn der Zeitpunkt nie kommt? Was wenn er wieder einen Herzinfarkt bekommt, oder wieder seinen Job verliert, 1 Woche nachdem du mit ihm geredet hast?

Es gibt wohl keinen guten Zeitpunkt dafuer. Ich sagte dann, ich wuerde halt nicht gerne, wie die Ratte das sinkende Schiff verlassen, sondern gerne wissen, dass er zumindest die Chance haette, jetzt klarzukommen.
Wir sprachen dann ueber die Gruende, warum ich denn eigentlich gehen moechte.
Ich finde gar keine richtigen Gemeinsamkeiten mehr, ich mag seinen Freundeskreis nicht, ich verstehe seine Kindererziehung nicht, er versteht mein Umweltbewusstsein nicht.... Ich denke das waeren alles Gruende, da koennte ich vielleicht sogar mit leben, man koennte Kompromisse machen und unsere Beziehung retten.

Aber der Hauptgrund, warum ich gehen will ist eigentlich, dass er mich von Anfang an ueber seine Situation nicht informiert hat. Als ich dann hierherkam, habe ich ein Chaos vorgefunden, vor allem finanziell.

Ich habe mir alle Muehe gegeben, das zu retten. Ich hab nicht gleich das Handtuch geworfen, denn ich habe ihm geglaubt, dass dies alles durch eine Verkettung von bloeden Umstaenden entstanden ist. Ich habe die Sorge ueber die Finanzen uebernommen, geplant, eingeteilt, Ratschlaege gegeben und ihm gesagt, dass er nun endlich reinen Tisch machen muss, damit er einen neuen Anfang ohne Schulden mit mir starten kann.
Das hat auch geklappt. Wir stehen finanziell jetzt wesentlich besser da. Die Rechnungen werden bezahlt, es wird Geld zurueckgelegt und so weiter.

Wir krabbeln uns immer wieder hoch, koennen immer alle Arztrechnungen, Autoreparaturen etc. zahlen, und dann kommt das naechste, wieder der Job weg, wieder ein Herzinfarkt, wieder dies und das.
Das Problem ist, dass die Jobs immer wieder weg sein werden, denn er hat seine Einstellung zur Arbeit nicht ueberdacht und geaendert.
Und jetzt mit ueber 50 wird er das auch nicht mehr tun.
Ebenso hat er seine Einstellung zu seiner Gesundheit nicht geaendert, er knechtet immer noch wie bloed an "side-jobs" statt sich vernuenftig auf den einen Job zu konzentrieren, fuer den er einen paycheck bekommt und Steuern bezahlt. Es zaehlt das cash in der Tasche, wie bei so vielen Amerikanern.

Ich wollte immer ein einigermassen sorgenfreies Leben fuehren, ueber die Runden kommen, einmal im Jahr in Urlaub fahren und mir keine Gedanken machen muessen, ob ich mir Bio-Lebensmittel leisten kann oder nicht.
Jetzt haenge ich hier in Canandaigua, hab 4 Tage Urlaub im Jahr, fahre trotzdem zweimal im Jahr nach Deutschland um meine Familie zu sehen, was megastressig ist und sauteuer, weil ich ja noch neben den Kosten dazu, nicht weiterbezahlt werde.

Nix mit mal faul am Strand liegen fuer 2 Wochen oder ein schoenes Hotelzimmer haben, was fuer einen geputzt wird, nix mit andere Laender sehen und neue Kulturen entdecken.

Das klingt jetzt alles sehr materiell, aber mir ist Geld eigentlich nicht wirklich wichtig, ich brauche auch nicht viel. Ich kaufe im thriftstore, ich gucke nach Angeboten, ich lege mir gerne selbst einen Gemuesegarten an, ich brauche keinen teuren Schmuck oder Luxus. Aber ich haette gerne ein normales Leben, und das werde ich mit Greg nie fuehren koennen, denn wo andere Wege suchen, sucht er Entschuldigungen. Er ist immer auf der Schattenseite des Lebens, weil er das so entschieden hat.
Es sind immer die anderen an seinem Unglueck Schuld.
Mit so einem Menschen kann und will ich einfach nicht mehr leben.

Mir ist inzwischen klar, wie er in diese Situation hereingeraten ist und ich weiss auch, dass er immer wieder genauso handeln. wuerde.

Und bis meine Tochter ihre Ausbildung in trockenen Tuechern hat, habe ich auch eine Verantwortung fuer sie und moechte nicht irgendwann sagen muessen, ich kann dich ab hier leider nicht mehr unterstuetzen, du musst das jetzt ganz alleine schaffen. Ich will das nicht! Ich habe mir vorgenommen, dass sie ihre Ausbildung sorgenfrei beenden kann und dann auf eigenen Beinen stehen wird, aber nicht vorher.

Fuer mich sehe ich auch keinen einzigen Grund, warum ich in Amerika bleiben moechte. Das Land hat seine Reize hier und da, schoene Landschaften, nette Menschen.
Aber auch Menschen mit unglaublichen, vorsintflutlichen Ansichten, ein sehr korruptes politisches System, mit dem ich gar nicht klar komme und einen Witz an Urlaubstagen und Krankheitstagen und ein voellig desolates Gesundheitssystem (ich meine jetzt nicht die Versorgung an sich, aber die voellig ueberhoehten Preise zum Beispiel).
Alles in allem gibt es hier vom Freizeitwert nicht wirklich das, was ich anstrebe. Keine Frage, ich arbeite sehr gerne, aber ab und zu kehre ich meiner Firma auch gerne mal den Ruecken zu, atme auf und sehe was anderes, damit ich dann wieder bereit bin fuer neue Taten.

Hier kann man ja hoechstens mal 3 Stunden zum naechsten Freizeitpark uebers Wochenende fahren. Richtig Urlaub machen ist mehr was fuer richtig reiche Menschen. Daher ist die Reisebranche hier auch nicht so vertreten, wie zum Beispiel in Deutschland.

Nun habe ich mir eine Frist gesetzt. Ich hoffe, dass Greg einen Job findet in naechster Zeit, aber wenn es einfach nicht besser wird, dann werde ich trotzdem das Gespraech spaetestens Ende April suchen und ihm erklaeren, dass ich hier fuer mich keine Zukunft sehen.
Sollten wir wieder Erwarten einen richtig guten Aufwind haben, dann werde ich frueher mit ihm reden.

Bis dahin hoffe ich, meine Green Card in der Tasche zu haben, damit ich hier weiter leben und arbeiten kann, bis ich meinen Job in Deutschland wieder aufnehmen kann (spaetestens im August diesen Jahres).

Und dann werde ich mit Freuden die gruene Karte nach Frankfurt zur Botschaft bringen. Ich werde nicht mal im Traum dran denken, eine reentry permit zu beantragen. Denn in den USA werde ich nie mehr leben, hoechstens noch einmal Urlaub machen.
:winke
LG Anja
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