My Life in the US Teil 11

Veröffentlicht von anjaxxo in dem Blog anjaxxo's Blog. Aufrufe: 175

anjaxxo

am 30.10.2013 um 15:28 (1223 Hits)

Ich habe mir mal die Zeit genommen, meine eigenen Blog-Eintraege noch einmal ganz durchzulesen, und es ist unglaublich, wie ich immer versucht habe, das Positive aus allem herauszuziehen und das Beste aus der Situation zu machen.
Dennoch sieht man, wie die Stimmung bei jedem Blog-Eintrag immer ein wenig schlechter wird. Und ich ertappe mich auch dabei, nicht mehr so viel zu lachen und froehlich zu sein.
Ich glaube, meine ganze Persoenlichkeit faengt an, sich zu veraendern und ich habe das Gefuehl, das das einfach so nicht sein darf.

Der Gedanke, wieder nach Deutschland zu gehen, kommt immer oefter. Im Kopf erwaegt man das fuer und wieder und sammelt Gruende zu bleiben oder Gruende zu gehen.
Mein Kopfkino malt sich immer mehr aus, wie es waere, wieder in Deutschland zu leben und mein altes Leben zurueck zu haben.
Am Anfang habe ich auch immer davon getraeumt, dass mein Mann mitkommen wuerde, inzwischen weiss ich gar nicht mehr so genau, ob ich das ueberhaupt will.
Wir sind so unterschiedlich und haben so unterschiedliche Meinungen zu fast allen Dingen, unglaublich, dass ich das vorher nicht gemerkt habe.

Und ich weiss auch nicht, ob es gut fuer ihn ist, ihn zu veraendern. Man will das doch selbst fuer sich selbst auch nicht. Klar, man lernt Dinge, das hoert niemals auf im Leben. Ich habe auch viel gelernt, aber man moechte doch sich selbst treu bleiben.
So wenig wie ich (finanziell) in den Tag rein Leben kann, kann Greg anfangen vorzusorgen und sich Gedanken um alles zu machen. Er hat immer schon nach dem Motto gelebt "wird schon werden" und dies nach 53 Jahren zu aendern ist absolut unmoeglich. Und es wuerde ja auch die Person Greg veraendern, in die ich mich verliebt habe.

Wenn man aber feststellt, dass die Lebensweisen so unterschiedlich sind, dass es einfach nicht passt, dann sollte man wohl die Konsequenzen daraus ziehen.

Ich habe auch in den letzten paar Monaten einige Dinge erfahren, die ich einfach nicht wusste und die mich sehr schockiert haben.
Zum Beispiel wurde Greg gar nicht arbeitslos, wie ich in irgendeinem Blog-Eintrag geschrieben habe. Die Situation war ganz anders.

Er hatte schon lange fuer die Firma gearbeitet, er wurde immer zu verschiedenen Painting-Jobs geschickt, die mal in Rochester, mal in Victor, mal in Binghampton etc. waren.
Greg mag nicht gerne viel und lange fahren. Einer seiner Jobs war in einem College, das ca. 1.5 Stunden mit dem Auto von uns entfernt war. Er hat dort jeden Tag 10 Stunden gearbeitet, damit der nicht 5 mal in der Woche dorthin fahren muss. Das sind lange Tage und das kann ich gut verstehen, dass das sehr nervig ist.
Als ich Stewardess war habe ich auch oft so lange Tage gearbeitet. Ich weiss also, wovon ich spreche.

Nun hatte man kurz vor Weihnachten zu ihm gesagt, dass er wieder in dem College arbeiten soll, das war das einzige, was man fuer ihn hatte im Winter.
Und was macht mein Mann? Er sagt, dass er den Job nicht machen will, denn er haette schliesslich Familie und so oft und lange von zu Hause weg sein, wollte er nicht, und seine Firma hat dann gesagt, gut, dann bist du eben fuer einige Zeit arbeitslos.

Greg hat also Arbeitslosengeld beantragt und zunaechst auch bekommen, aber dann hat seine Firma gesagt, noe, das war nicht "lack of work" sondern seine eigene Entscheidung, dass er den Job nicht angenommen hat und somit war er dann auch nicht berechtigt Arbeitslosengeld zu bekommen.
Dies hat er mir aber alles nicht erzaehlt. Er hat sich dann mit seiner Firma (fuer die er 8 Jahre lang gearbeitet hat) ueberworfen und daraufhin gesagt, er kommt nicht wieder und in meiner Firma angefangen zu arbeiten.
Mir hat er erzaehlt, es wuerde ihn nerven, dass seine Firma ihn immer im Winter "entlassen" wuerde fuer ein paar Wochen und er etwas suchen wuerde, was mehr "steady" waere.

Das Arbeitslosengeld, das er erhalten hat, muss er natuerlich zurueckzahlen. Auch das hat er mir nicht erzaehlt, erst, als ich mich gewundert habe, warum er kein Geld bekommen hat, fuer die Zeit als er kuerzlich arbeitslos war (es wurde zwar bewilligt, aber nicht ausgezahlt, weil er ja noch Schulden bei denen hat).

Und wenn ich dann frage, warum er mich angelogen hat, dann sagt er einfach: Ich hab dich nicht angelogen. Ich hab es dir einfach nicht erzaehlt. Ich wollte dich nicht beunruhigen, du machst dir immer gleich ueber alles so viele Sorgen.

Und auf der anderen Seite sagt er immer, dass Entscheidungen in einer Ehe zusammen getroffen werden muessen (das gilt aber wohl nur fuer mich, sich selbst klammert er da aus).

Dies alles zeigt mir, dass seine Einstellung zur Arbeit und zum Leben und zur Familie einfach grundsaetzlich entgegengesetzt ist zu meiner Einstellung.
Ich bin auch ein Familienmensch, meine Familie ist mir auch wichtig, aber in erster Linie muss man dafuer sorgen, dass die Familie finanziell existieren kann. Wenn man mit seinem Job nicht zufrieden ist, dann sucht man sich einen anderen, aber.....man kuendigt doch nicht, bevor man was anderes hat!

Und dann so Kleinigkeiten, wie zum Beispiel vorgestern, da habe ich seine Stundenkarte eingescannt und an seine Firma geschickt und gesehen, dass er angeblich Freitag bis 3 Uhr gearbeitet hat, aber er war schon um viertel vor 2 zu Hause und hat eine Fahrtzeit von einer halben Stunde.
Ich habe ihn dann darauf aufmerksam gemacht, da sagt er nur: But we busted our asses, noboby works as fast as we do. Ahso, du gibst also dein Bestes bei der Arbeit und gehst dafuer frueher? Ich dachte, man wird dafuer bezahlt, dass man sein Bestes gibt.
Ich meine, wenn sowas rauskommt, dann ist man doch seinen Job wieder los. Und dann ist wahrscheinlich wieder die Firma Schuld, weil sie so kleinlich sind und seine Arbeit nicht wirklich anerkennen. Und wenn ich dann meine Zweifel aeussere, dann heisst es, ich habe keine Ahnung vom painting business und er arbeitet schliesslich schon sein ganzes Leben und hat das immer so gemacht.

Das sind so Situationen, wo ich am liebsten alles stehen und liegen lassen wuerde.

Dieses Jahr Weihnachten geht's nach Deutschland, ich werde die ganzen Weihnachtsferien meiner Tochter mit ihr und dem Rest meiner deutschen Familie verbringen. Und ich freue mich schon wie wahnsinnig.
Ich habe vor, mit meiner Schwester und meiner Mutter ueber meine Situation hier zu sprechen. Und auch die Meinung meiner beste Freundin Kathy wuerde ich gerne hoeren.
Im Grunde weiss ich aber schon, was ich will.

Im naechsten Sommer ist meine Tochter mit der Schule fertig, dann war's das mit dem behueteten Internatsleben und es geht raus in die weite Welt, wahrscheinlich zunaechst mal nach Berlin. Ich glaube, ich moechte dann gerne vor Ort in Deutschland sein, damit sie eine Anlaufstelle hat, wenn alles schief geht und sie ein zu Hause braucht.
Mein Job in der Klinik wuerde auch wieder ab August auf mich warten, wenn ich den Sonderurlaub nicht verlaengere.

Ob ich mir eine weitere Beziehung mit Greg vorstellen kann, weiss ich nicht. Ich bin einfach von seinem Verhalten sehr enttaeuscht, und er kann sich nicht vorstellen in Deutschland zu leben oder wieder eine Fernbeziehung zu haben, und ich mag einfach nicht mehr so wirklich in Amerika bleiben. Sieht so aus, als waeren die Fronten geklaert.
Aber Greg ist schon so manches Mal von seiner Meinung abgewichen, wenn er Angst hatte, mich zu verlieren.

Man sieht also, auch hier in Amerika gibt es Alltagssorgen, Streit mit dem Ehepartner, das Gras ist nicht gruener hier.

Wenn ich mich manchmal im Internet durch die Auswandererforen lese, dann merke ich eins: die Menschen, die alleine nach Amerika gehen oder mit ihrem deutschen Partner, treffen es oft besser an, als die, die zu einem amerikanischen Partner auswandern.
Das mag an verschiedenen Dingen liegen, man hat einfach nicht die Chance auf Probe zu leben und den Partner wirklich kennenzulernen. Auch wenn man oft vorher da war, es ist eben doch nur Urlaub und vieles wird einem erst klar, wenn man zusammen lebt.

Die kulturellen Unterschiede sind groesser als man denkt. Wandert man mit seinem deutschen Partner aus, dann hat man dieses Problem nicht. Man sieht zwar, was die anderen Leute so machen, aber zu Hause lebt man sein eigenes Leben, so wie man das will.
Und die Menschen, die nicht wegen ihres Partners in die USA gehen, haben sich das Land ja speziell ausgesucht. Ich fand die USA als Urlaubsland immer toll, habe mir aber nie wirklich gewuenscht, hier zu leben. Und ich fand es auch nie so toll, dass ich jedes Jahr dorthin musste, es gibt ja noch so viele andere tolle Laender auf der Welt.

Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht.

:brd oder :usa , das ist hier die Frage.......
Du musst angemeldet sein um zu kommentieren