My life in the US Teil 10

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am 21.08.2013 um 18:58 (1293 Hits)

Kleiner Rueckblick und Resuemee der letzten 2 Jahre, ja, 2 Jahre ist es heute genau her, dass ich hierher gezogen bin, unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Was hat sich so alles getan? Haben sich meine Wuensche und Hoffnungen erfuellt? Bin ich gluecklich? Wie sieht es mit Heimweh aus?

Jobmaessig hat sich bei mir eine Menge getan, vor fast 2 Jahren habe ich hier in der Firma angefangen mit 9 Dollars pro Stunde und habe Wuerstchen verpackt, inzwischen arbeite ich im Buero, bekomme 14 Dollar pro Stunde und meine Krankenversicherung wird 100 % vom Arbeitgeber bezahlt.
Mein Aufgabengebiet hat sich entsprechend ausgeweitet, inzwischen mache ich Auftragsbearbeitung, Buchhaltung, Payroll, wir designen labels, machen Produktphotos und nehmen an events teil.
Die Arbeit macht sehr viel Spass, ist sehr vielseitig, und obwohl ich ja nun wesentlich mehr verdiene, kann man mehr schlecht als recht mit dem Gehalt hier ueberleben.

Privat sind wir durch einige Hoehen und Tiefen gegangen. Ich habe erst hier vieles ueber meinen Mann erfahren, vor allem ueber seine finanzielle Situation, die alles andere als gut ist. Dies ist zum groessten Teil, meiner Ansicht nach, selbstverschuldet (natuerlich sieht er das ganz anders, er gehoert eher zu den Menschen, die die Schuld woanders suchen, auch dies habe ich erst hier festgestellt).

Ein Grund fuer jede Menge Probleme war auch die gesundheitliche Verfassung meines Mannes, waehrend der zwei Jahre, die ich hier war, hatte er Probleme mit dem Herzen, hat 2 stents gesetzt bekommen, was unsere finanzielle Situation noch einmal verschlechtert hat, und er hat Probleme mit Schwindel, musste vor kurzem ein MRT machen lassen (was gluecklicherweise nichts angezeigt hat) aber mal wieder eine Riesenrechnung ins Haus flattern liess.
Er ist auch sehr wehleidig wenn er krank ist, bleibt bei einer (fuer mich) kleinen Erkaeltung schon 3 Tage zu Hause, was hier immer heisst, es kommt kein Geld rein, denn sowas wie bezahlte Krankheitstage hat mein Mann nicht.

So kam es dann, dass er zwar stundenlohnmaessig immer sehr viel mehr Geld verdient hat als ich, aber in der Summe mit all seinen Fehltagen, Jobwechseln, zeitweise Arbeitslosigkeit und (meiner Meinung nach auch selbstverschuldet) kein Arbeitslosengeld zu bekommen, habe ich im Schnitt wesentlich mehr verdient als her.

Im ersten Jahr hat meine Tochter ja noch hier bei uns gewohnt, aber ja dann entschieden wieder nach Deutschland zurueckzugehen.
In diesem ersten Jahr kam es zu sehr vielen Konflikten auch aufgrund unserer Kinder, denn mein Mann und ich haben eine grundverschiedene Einstellung zur Erziehung, da sind wirklich zwei Welten aufeinander geprallt.

Ich habe ein paar Dinge, die mir sehr wichtig sind: Offenheit, Ehrlichkeit, gute Manieren, gute Bildung (wurde in fruehester Kindheit gefoerdert und ist jetzt ein Selbstlaeufer, lesen wurde unterstuetzt, Neugierde befriedigt etc.) und unerschuetterliche Liebe zu meiner Tochter
Mein Mann setzt mehr auf streng sein, little white lies are ok, Manieren sieht man hier etwas anders, Bildung - es ist ok, 12 Stunden am Tag am Computer auf Facebook zu verbringen oder mit Freunden zu chatten und sich im Zimmer einzuschliessen, obwohl man erst 11 bzw. jetzt 12 ist, aber sobald schlechte Schulnoten ins Haus flattern, wird ohne Sinn und Verstand gebueffelt. usw. und so fort.....

Konflikte waren und sind da vorprogrammiert.

Jetzt, wo meine Tochter nun schon seit einem Jahr in Deutschland ist, kommt natuerlich immer mehr ein weiteres Problem zum Tragen: das Heimweh.
Dieses hat sicherlich zu 80 % mit meiner Tochter zu tun (und meiner Familie und Freunden), 10 % ist das Vermissen meines alten Lebens (meiner Freiheit, Ruhe und Unabhaengigkeit, scheint so, dass ich eher der Einzelgaengertyp bin und vom Eheleben schnell genervt) und die restlichen 10 % sind Existenzaengste, die ich in Deutschland niemals hatte.
Das alles zusammen fuehrt dazu, dass ich meine deutsche Heimat wie verrueckt vermisse, und es wird auch nicht wirklich besser (man sagt ja, die Zeit heilt die Wunden, kann ich nicht bestaetigen).

Ich habe auch viele Gespraeche mit meinem Mann darueber gehabt, vieles versteht er, vieles versteht er auch nicht.
Sein Verstaendnis ist allerdings groesser geworden, hat er am Anfang einen Mordsaufstand gemacht, wenn ich meine Familie alleine besucht habe (von wegen er ist ja so allein und vermisst mich so furchtbar und findest es nicht in Ordnung, dass ich ohne ihn Urlaub mache) ist er inzwischen bereit, sogar einem dritten Aufenthalt pro Jahr bei meiner Familie "zuzustimmen" nur damit ich bei ihm bleibe und ihn nicht verlasse.

Klar, sein Leben hat sich ja auch um 100 % verbessert, seine finanziellen Sorgen (falls er sie hatte, ich glaube, er war da eher unbedarft) gehen gen Zero, denn wir stehen jetzt eigentlich ganz gut da, haben erwas Erspartes, haben Krankenversicherung etc. (alles nur, weil ich unsere finanziellen Angelegenheiten in die Hand genommen habe), sein Verhaeltnis mit seiner Tochter ist besser geworden, weil ich dafuer gesorgt habe, dass es ok ist, auch mal Freundinnen zu treffen, waehrend des Wochenendes beim Papa, was vorher tabu war und es wird fast jeden Tag frisch gekocht, weil ich Junkfood auf die Dauer nicht ausstehen kann. Er hat auch vieles gelernt, denke ich. Nicht, dass ich ein Genie bin, dass sein Leben in allen Lebenslagen meistert, aber es gehoert nicht viel dazu es besser zu machen als mein Mann, von daher sieht er mich als sein Hero.

Ein paar Mal war ich auch drauf und dran meine Sachen zu packen und zurueck nach Deutschland zu gehen. Auch im Moment bin ich hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu meinem Mann und der Unzufriedenheit, mit der ich hier in Amerika zu kaempfen habe und dem Heimweh.
Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, so ist die Liebe zu meinem Mann auch schon kleiner geworden, denn viele Ansichten und Verhaltensweisen kannte ich einfach vorher nicht, und vieles davon ist fuer mich nicht akzeptabel.
Zum Beispiel seine Einstellung zum Umweltschutz, sein Desinteresse an Politik und sein Konzentrieren auf die unwichtigen Dinge im Leben.

Vieles ist sicherlich in den kulturellen Unterschieden zu finden, Amerikaner ticken eben doch allgemein etwas anders als Deutsche und wenn man als gestandenes Weibsbild hierher kommt, ist es eben schwer, sich umzustellen oder vielleicht will man auch gar nicht?
Ich will damit nicht sagen, dass dies allgemeingueltig ist, aber vielleicht versteht der eine oder andere Auswanderungswuetige es als Warnung, vor allem die, die zu einem amerikanischen Partner ziehen.
Man lernt sich sehr gut durch skype und Besuche kennen, aber eben nicht so, wie man sich kennenlernt, wenn man zusammen lebt und Probleme gemeinsam meistern muss.

Ich schreibe mir hier den Seelenmuell von der Seele, einerseits damit es mir besser geht und anderseits auch, um manchen den Blick in die Realitaet zu verschaerfen.

In diesem Sinne, :winke
Liebe Gruesse
Anja
am 21.08.2013 um 18:58 (1293 Hits)
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