Kriminalität / wie "sicher" fühlt ihr euch?

Dieses Thema im Forum "Alltagsleben in den USA" wurde erstellt von Svenja2404, 6. April 2017.

  1. Svenja2404

    Svenja2404 Member

    86
    43
    North Carolina
    Mitgliederkarte

    Guten Morgen!

    Heut habe ich mal etwas weniger "schöne" Gedanken.

    Ich hab mir eine News-App für NC runtergeladen, mit dem Hintergrunddenken "kann ja nie schaden, sich up-to-date zu halten". Jeden Tag lese ich in den News, dass wieder ein Teenager erschossen, jemand vergewaltigt oder fast zu Tode geprügelt wurde, ein drive-by passiert ist usw. usw.

    So erst mal vorweg: mir ist ja völlig klar, dass sowas überall auf der Welt passiert, auch hier im "so gut behüteten Deutschland". Außerdem kann man das auch schlecht vergleichen, allein von der Population her -> mein Gedanke: Mehr Menschen, mehr Kriminalität. Trotzdem schocken mich News, in denen es den Anschein hat, dass das oft "unbeteiligte" Menschen die Opfer sind oder eben zwei Teenager sich denken "wir erschießen unseren Klassenkameraden". Ich weiß auch, dass man gute News seltener hört, weil das natürlich nicht das ist, was die Bevölkerung interessiert. Dennoch muss man wohl sagen, die Kriminalität in den USA ist weitaus höher (verglichen mit DE). Ich bin also nicht komplett naiv :)

    So mal wieder langes Gefasel meinerseits, nun zur eigentlichen Frage:

    Wie sicher fühlt ihr euch dort, wo ihr wohnt? (Bzw. für die Rückumsiedler natürlich dasselbe, wie sicher habt ihr euch gefühlt). Habt ihr jemals etwas in die Richtung mitbekommen oder sogar live miterlebt? Wie sicher fühlt ihr euch in eurer Nachbarschaft?
    Lileigh : das würde mich bei Dir vorallem auch sehr interessieren, da ich weiß, dass du ja in NC wohnst.

    So, bin gespannt auf Eure Antworten und wünsche euch einen schönen Tag!
     
  2. Ulrich

    Ulrich Well-Known Member Citizen

    1.027
    48
    Houston, TX
    Mitgliederkarte

  3. Lileigh

    Lileigh Active Member Ehe-GC

    435
    52
    Tar Heel State
    Mitgliederkarte

    Du weisst, wo es dich hinverschlaegt. Magst du das also wirklich von mir hoeren?

    Ich bin nun seit 2008 hier und ich fuehle mich hier nicht wirklich sicher. Bei uns liegen Golfschlaeger griffbereit. Wir wohnen in einem Haus, in dem innerhalb eines halben Jahres zweimal eingebrochen wurde. Zuletzt passierte das einen Monat vor unserem Einzug.
    In unserer Nachbarschaft hat es fast jedes Haus schon erwischt.
    In unserer Strasse wurde schon zweimal auf ein Haus geschossen. Wir gehen davon aus, dass der teenage Sohn irgendeiner Gang angehoert. Andere Male wurde auf Autos in den Einfahrten geballert.
    Es springt staendig jemand ueber Zaeune oder versucht einzubrechen. Bei uns wurden nun schon mehrere Male die Fliegengitter aufgeschlitzt und zwar so, dass es nicht ganz zu offensichtlich ist. Erst neulich ist es uns wieder aufgefallen. D.h. innerhalb der letzten 12 Monate muss sich irgendjemand in unserem Garten aufgehalten haben und versucht haben die Fenster zu oeffnen.

    Wir leben im besten Schulbezirk und unsere Siedlung ist von heruntergekommenen Siedlungen regelrecht umzingelt. Das zieht so einige Gestalten an. Vor einigen Monate hatten wir ein drive-by shooting hinter unserem Haus.
    Der Supermarkt am Ende der Hauptstrasse war fuer Gewalt immer bekannt. Da kam es schon am helligsten Tage zur Messerstecherei mit einem Toten.

    Die grosse Einkaufsmeile um die Mall herum ist auch immer wieder von Gewalt geplagt. Das ist so schlimm, dass WalMart dort bispielsweise nicht 24 Stunden am Tag geoeffnet ist. Schiessereien vor Restaurants gibt's hier auch und vor einigen Jahren hat ein Irrer auf Insassen eines Fahrezeugs - Vater mit Kindern - geschossen, weil der Vater gehupt hatte.

    Die Fahrweise vieler ist zum Davonlaufen. Ich habe das Autofahren in Deutschland geliebt. Hier drueben bin ich froh, wenn ich heil von A nach B komme.

    Die Stadt wird nicht einfach so Fayettenam genannt.

    Man versucht natuerlich von dem Image wegzukommen, aber es gibt Ecken, die man meiden sollte. Momentan wird Downtown verschoenert, um die Buerger wieder in die Innenstadt und nach draussen zu locken. Es hat sich einiges getan in den letzten neun Jahren. Das kann man wirklich nicht abstreiten.
    Man sollte auch nicht allzu nervoes werden, wenn man hier von Schiessereien mitbekommt. Das sind sehr selten Faelle, in denen Fremde umkommen oder verletzt werden, sondern meist domestic violence, gang-related crimes. Dann sind es noch Ueberfaelle auf convenience stores und andere kleinere Laeden...aber es passiert und darf nicht einfach ignoriert werden.
    Wie gesagt, ich bin seit 2008, und mittlerweile gehoert da so einiges zum Alltag.

    Property crime ist hier jedenfalls am hoechsten.

    Tipps:
    Fenster mit PVC pipes sichern, damit man diese nicht einfach hochschieben kann.
    Storm doors anbringen. Einbrecher wollen schnell rein und wieder raus. Jedes Hindernis, wie eine 2. Tuer, schreckt ab.
    Videokameras aussen installieren.
    Security system nutzen und grossen Hund anschaffen.
    Autos immer in der Garage parken, wenn moeglich. Die fahren hier durch die Nachbarschaften und schauen, wer wann wo zuhause ist. Das merkt man leider meist an den fehlenden Autos, wenn die Bewohner unterwegs sind.
    Wir sind gerade dabei die Fenster von innen mit einer Spiegelfolie zu versehen. Zum einen um die Innentemperaturen etwas niediger zu halten und zum anderen die Sicht ins Haus zu unterbinden.
    Das wichtigste ist aber auch sich mit Nachbarn zusammenzutun. Wir haben da unglaubliches Glueck in unserer cul-de-sac. Wir passen da schon auf und melden direkt, wenn wir etwas merkwuerdig finden. Wir haben beispielsweise eine geschlossene FB Gruppe, in denen wir auffaelliges melden, Entwarnung geben, oder generell Nachrichten verbreiten, von denen wir glauben, dass es fuer den ein oder anderen Nachbarn von Bedeutung sein koennte.

    Ziel ist fuer uns immer noch in eine angenehmere Ecke zu ziehen. Naeher an einer groesseren Stadt.
     
  4. Ezri gefällt das.
  5. Suze

    Suze Member Ehe-GC

    11
    25
    Granite State
    Mitgliederkarte

    Wow, Lileigh! Das hoert sich jetzt nicht so dolle an :(

    Wir leben ja sozusagen auf dem Land in unserem NH und ich fuehle mich in meiner Kleinstadt vollkommen sicher! Auch bei uns ist bei mehreren Nachbarn schon eingebrochen worden, bzw. versucht worden, einzubrechen. Allerdings nehmen wir an, dass das wohl junge Leute waren, die Geld fuer Drogen wollten. Wir haben allerdings auch eine Alarmanlage und natuerlich die zwei grossen Hunde, die ja tagsueber im Haus sind. Unsere Polizeistation ist grade mal zwei Kilometer von uns entfernt und unser Nachbar ist Feuerwehrhauptmann. Wie du vorschlaegst, lassen wir halt auch ganz normale Vorsichtsmassnahmen walten: Haustuere abschliessen und Terassentuer absichern, Alarmanlage. Tueren und Fenster nicht von Bueschen ueberwuchern lassen, so dass man sie gut sehen kann, Hunde im Haus, usw.

    Bei uns kann auch oefters Schuesse fallen hoeren, das sind aber Leute, die hinten im Wald Schiessuebungen veranstalten :) Ich laufe mit meinen Hunden allein im Wald spazieren und hatte noch nie Angst, dass mir etwas passieren koennte.
    Es haengt also ganz klar davon ab, wo man wohnt.
     
  6. Lileigh

    Lileigh Active Member Ehe-GC

    435
    52
    Tar Heel State
    Mitgliederkarte

    Ruhig ist es hier in der Gegend nicht wirklich. Zuletzt hat hier ein Vater seine zwei Kinder erstochen. Eifersuchtsdrama. Ein vier Tage altes Neugeborenes und ein zwei-jaehriges Kind.

    Kurz nachdem Hurricane Matthew mit seinen Wassermassen unsere Stadt in einen riesigen See verwandelt hatte, sind so einige hier durchgedreht. Da gab es am ersten Tag danach direkt schon drei Leute, die downtown angeschossen wurden.
    Es gibt haeufig drive-by shootings bei uns in der Stadt. Erst Ende letzten Monats ist jemand auf offener Strasse erschossen worden. Lief die Strasse entlang, Auto hielt an, Kopfschuss...es gibt eigentlich jeden Tag solche und aehnliche Meldungen.
    Wir haben auch home invasions, in denen Menschen angeschossen oder erschossen werden. Da half dann der Familie auch der grosse Hund nicht. Der wurde direkt erschossen.

    Die Bekannte meiner Schwiegermutter wurde vor einigen Wochen vorm Supermarkt ueberfallen. Am hellichten Tage, mit vorgezogener Waffe.
    Meiner damaligen Managerin ging es mal aehnlich. Um die Mittagszeit herum vorm convenience store ueberfallen und in die Gebuesche neben dem Laden gezerrt, weil der Taeter die Tageseinnahmen vom Vortag abgreifen wollte. Der Laden war zu dem Zeitpunkt voll mit Kundschaft und es hat nicht so wirklich jemanden interessiert.
    Kundin, die an der Tankstelle stand, lief ganz gelassen in den Laden und meinte: "I think you manager is being mugged."

    Ueberfaelle sind hier an der Tagesordnung. Unsere Bank wurde innerhalb von vier Wochen zweimal ueberfallen. Da traut man sich dann auch nicht mehr wirklich aus dem Auto, sondern faehrt an den drive-thru Schalter/Automaten.

    Letzte Woche hatte die Polizei hier an zwei Tagen Razzien durchgefuehrt und ueber 50 Personen festgenommen und jede Menge Waffen konfisziert.

    Die Tat mit den beiden Kindern hat mich mitgenommen, ansonsten nehme ich vieles davon wirklich nur noch zur Kenntnis und hake es als "ist nichts neues" ab.
    Armut ist hier eben relativ hoch und das sieht man an vielen Ecken.

    Mich fragen einige mittlerweile, ob ich mir eigentlich schon eine Waffe zugelegt habe. Aber selbst mit den ganzen Nachrichten fuehle ich mich nicht so unsicher, dass ich mich nun bewaffnen muesste.
    Mir macht es nur Sorge, dass die Freiheiten meiner Kinder eben dadurch doch eingeschraenkt sind.
     
  7. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

    6.034
    148
    Schweiz 8500 Frauenfeld
    Mitgliederkarte

    Das ist auch eine kulturelle Sache, so lange die Menschen als Kind lernen, dass Gewalt eine Lösung ist, so lange werden sie als Erwachsene Gewalt anwenden um irgendwelche Probleme zu lösen. :(
     
  8. Svenja2404

    Svenja2404 Member

    86
    43
    North Carolina
    Mitgliederkarte

    Danke Lileigh für die ehrliche Antwort!

    Wie gesagt, ich bin ja nicht blöde und ich weiß auch, dass gerade schlechte Nachrichten Leser anziehen. Das ändert aber ja nix an der Tatsache, dass diese Sachen passieren und da bin ich wohl einfach sehr gut behütet in meinem fränkischen Städtchen, ein Drive-By-Shooting gab's da nochnie. Das letzte "große Ding" war bei uns vor ca. einem Jahr, als in einem China-Restaurant der Koch durchgedreht ist und seinen Chef abgestochen hat.

    Deswegen wollt ich einfach mal ehrliche Erfahrungsberichte haben.

    Mein Zukünftiger hat mir das ganze natürlich auch nicht als Zuckerwatte verkauft sondern von Anfang an gesagt, es gibt Ecken, in die man definitiv nicht gehen sollte.
    Das mit den Kindern hab ich auch gelesen, das fand ich echt ziemlich krass. Wenn sich Gang-Rivalen gegenseitig abmurksen ist mir das ja "relativ egal" aber sobald eben Unschuldige und dann noch Kinder betroffen sind...

    Das Haus hat eine Sicherheitsanlage, das ist halt auch komplett neu für mich aber find ich gut. Einen hohen Zaun haben wir (der vermutlich jemanden der wirklich rein will definitiv nicht abschreckt, aber man fühlt sich doch schon etwas besser damit.) Hundi wird es auch geben (in näherer Zukunft) und damit mein ich keinen kleinen Mops (die Armen Tierchen!) sondern einen 55kg Hund. Wie Lileigh schon sagt, im Extremfall bringt das dann wohl vllt auch nichts, aber trotzdem - je mehr desto besser - (muss ja keiner wissen, dass der in Wahrheit bestimmt der verschmustete Hund aller Zeiten ist :-D).

    Ich hoffe mal, dass das Haus zu unseren Rechten dann nicht mehr leersteht. Vor einigen Wochen hat uns sein Bruder nämlich erzählt, dass das aktuell zur Vermietung bereitsteht. Und wie Du schon sagst, mit den Nachbarn zusammentun macht bestimmt viel aus.

    Ezri da hast du leider Recht. Ich glaube auch, wenn man einmal in diese "Spirale" reinrutscht kommt man nur schwer wieder raus. Noch dazu vllt. Geldprobleme und dann hat man den Salat :(
     
  9. Ezri gefällt das.
  10. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

    6.034
    148
    Schweiz 8500 Frauenfeld
    Mitgliederkarte

    Gänse (als Pärchen) sind übrigens fast noch bessere Wachhunde, sie haben bessere Ohren und wehe, wenn die wütend auf ein losgehen... :aaa
    Was hohe Zäune angeht, in Deutschland wird empfohlen, dass diese durchsichtig sind, damit Täter, wenn sie den Zaun überwunden haben sich nicht sicher fühlen können, dass niemand sie bei ihrer Tat beobachten können.

    Hatte im TV mal eine Doku aus den USA gesehen, da wurde eine Familie im Haus überfallen und getötet. Die Familie hatte in allen Räumen Überwachungskameras, aber was haben die genützt? Die Einbrecher konnten die Haustür direkt aufhusten.
    Vielleicht sollte man auch einfach mal schauen, wie leicht sich Türen und Fenster öffnen lassen. Also eigentlich genauso, wie man hier drauf achtet. :hmm
     
  11. Svenja2404

    Svenja2404 Member

    86
    43
    North Carolina
    Mitgliederkarte

    Gänse sind mir aus eben diesem Grund sehr ungeheuer, ich würde mich wohl selber nicht mehr in meinen eigenen Garten trauen :Dheilig:wikinger
     
  12. Blauregen

    Blauregen Active Member

    876
    90
    Houston, Texas - jetzt wieder Minden, NRW
    Mitgliederkarte

    Ich hab drueben so einige Male geschmunzelt... Dicke Ueberwachungskameras, aber die Schloesser und die Qualitaet der Tueren sind ein Witz. Ein Kollege meines Mannes hat live auf seinem Handy den Einbruch bei sich zuhause verfolgen koennen. Die sind einfach reinspaziert, einmal an die Pappmachetuere kraeftig angelehnt und schon waren sie drinne. Und natuerlich laengst wieder weg, als er bzw Polizei beim Haus ankamen.
     
  13. Ezri gefällt das.
  14. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

    6.034
    148
    Schweiz 8500 Frauenfeld
    Mitgliederkarte

    Ja eben, geben ohne Ende Kohle für Überwachung aus, aber Türen und Fenster kann jeder Fünfjährige umpusten.
     
  15. Wendy

    Wendy Active Member

    477
    43

    Na ja - wenn man bei Home Depot mal guckt, wie diverse Türen gemacht sind - die sehen mords protzig und massiv aus - und in Wirklichkeit ist das ein Rahmen aus Holzleisten, über den links und rechts ein vorgeformtes Kunststoffteil drübergestülpt wird.

    Viele von den Fenster-Schiebetüren kann ein 3jähriger mit einer simplen Nagelfeile aus der Führungsschiene hebeln. Der Verriegelungsbolzen ist häufig auch eher ein Alibi als eine echte Verriegelung. Nach ein paar Jahren ist es eher ein Problem, daß sie IN den Führungsschienen bleiben....

    Klar gibt es auch bessere Qualität - aber die wird standardmäßig selten verbaut. Die kaufen die Leute, die selbst bauen. Viele Bauträge gehen nur auf Optik und nehmen qualitativ das Billigste, was nach "am meisten aussieht".
     
  16. Suze, Blauregen und Ezri gefällt das.
  17. Wendy

    Wendy Active Member

    477
    43

    Und um eins draufzusetzen (und ich betreibe hier kein bashing - jeder der mal ein bißchen genauer hinguckt, weiß von was ich spreche): Im Grunde braucht niemand in den USA durch die Tür einbrechen.

    Fast alle neueren Häuser (außer Wolkenkratzer) werden aus für unsere Begriffe dünnen Holzleistengerüsten gebaut, die dann mit Trockenbauwänden (auch besser bekannt als Rigipsplatten) beidseitig "betackert" werden. "Isoliertes Vinyl" wird als "gute und günstige Wandbekleidung" angesehen. Je nach Preis des Gebäudes kommt besseres, schlechteres oder gar kein Isoliermaterial zwischen die zwei Trockenbauplatten. Dann wird außen verschalt mit falscher Klinkerwand oder falscher Holzverschalung. Das ganze ziemlich nah beieinander - in Europa sind Außenwände meist 24, 30 oder 36,5 cm dick oder mehr - plus Putz. Das sind die üblichen Maße. Die "Dicke", die bei uns eher als Minimum angesehen wird, ist in den USA schon eher Maximum des allgemein üblichen. Und dann eben nicht aus massivem Material.

    Als der Mann meiner Freundin das Bad renovierte, hatten die - nachdem er die "aus einem Plastikguß-Wanne-samt Rückwand" entfernte, an manchen Stellen freie Sicht in den Garten - weil die Lücken zwischen der Außenverschalung groß genug waren zum durchgucken - und im angeblich sonnigen Kalifornien hat mans mit Dämmung in den 90ern auch nicht so genau genommen.

    Ich hab immer das Gefühl, ein paar tobende Kinder können aus Versehen durch die Wand donnern beim spielen.

    Mit einem beherzten Tritt dürfte man durch die meisten Wände durchkommen. Mit einem soliden Vorschlaghammer schon erst recht. Ich wüßte jedenfalls nichts, was jemandem, der REIN will in amerikanischen Häusern ernsthaft was entgegensetzt.

    Bei uns wird durchaus auch mit Trockenbauwänden gearbeitet - aber eher nicht im Außenwandbereich. Ist mir (und ich arbeite immerhin in der Branche) quasi völlig unbekannt und auch wenns Platten gibt, die für außen zugelassen sind - das wird eher für abgehängte Decken im Außenbereich genutzt als für "normale" Wände. Bei uns sind da im Falle des Falles eher Betonfertigteile üblich im Außenbereich.

    Man kann natürlich durchaus Wände wie in den USA üblich auch gut isolieren. Und sie fallen einem nicht wie ein Kartenhaus zusammen - aber Stabilität sieht für mich persönlich anders aus.
     
  18. Suze, Ezri und Blauregen gefällt das.
  19. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

    6.034
    148
    Schweiz 8500 Frauenfeld
    Mitgliederkarte

    Ist kein Gefühl, kann man im TV sehen, wenn man mal so eine Sendung wie z.B. Upps - Die Pannenshow (also peinliche Privatvideos) schaut. Da weiß man sofort, wenn es ein Privatvideo aus den USA ist, wenn Kind beim Toben gegen die Wand knallt und die Wand danach ein Loch hat. Oder Papa fällt von der Leiter, hält sich an der Lampe fest und hat dann ein Loch in der Decke und reißt beim Fallen noch ein Loch in die Wand.

    Eine meiner FB-Freunde (hab sie aber auch schon persönlich kennenglernt) baut in Colorado gerade ein Haus. Es besteht aus dem besagtem Ständerwerk aus recht dünnen Holzlatten und Pressholzplatten und jetzt freut sie sich über dieses Plastik-Klinker, was gerade ans Haus getackert wurde. :hmm
    Getackert ist in diesem Zusammenhang wörtlich zu verstehen, es wird da wohl nix verschraubt, sondern wirklich alles nur getackert.
     
  20. Lileigh

    Lileigh Active Member Ehe-GC

    435
    52
    Tar Heel State
    Mitgliederkarte

    Naja, das die Haeuser hier anders gebaut werden und das ganze auch nicht wirklich qualitativ hochwertig ist, ist klar. Seh' ich an unserem Haus immer wieder. Die cookie cutter Haeuser werden schnell hochgezogen und fertig ist. Und die ganzen trailer und double-wides sind noch schlimmer.
    Keiner wird durch die Aussenwaende einbrechen, auch wenn es moeglich waere. Die wollen fix rein und raus, das Zeug verscherbeln was sie schnappen koennen und gut ist. Die Arbeit mit Vorschlaghammer, Saege & Co. tut sich so'n Kleinkrimineller da sicherlich nicht an, wenn Tueren und Fenster nicht aufgehen ;-) Wenn sie Pech haben erwischen sie dann auch noch eine Stromleitung (ist hier naemlich auch immer eine Glueckssache). Die Chance, dass ein Tornado oder der naechste groessere Hurricane das Haus zerstoert, ist weitaus groesser als das ein Einbrecher durch die Seitenwand kommt.
    Da koennen sie auch gleich 'ne Anzeige schalten oder direkt die Polizei von ihrem Vorhaben informieren. Sicherlich moeglich, wenn man das einzige Haus in der Pampa ist und die Polizei 20 Minuten braucht.

    Tueren und Fenster sind immer noch die schwaechsten Ecken des Hauses. Und wenn die nicht aufgehen, geht's ans naechste Haus, wo es einfacher ist oder man probiert es an einem anderem Tag nochmal.
     
  21. Suze gefällt das.
  22. Ulrich

    Ulrich Well-Known Member Citizen

    1.027
    48
    Houston, TX
    Mitgliederkarte

    Ich frage mal ganz provokant: Muss man fuer die Ewigkeit bauen? Wenn Haeuser nach 50 Jahren eingerissen und ersetzt werden, dann brauche ich doch nicht wirklich den doppelten Preis beim Hausbau ausgeben, damit es "fuer immer" stehen bleibt...
     
  23. Blauregen

    Blauregen Active Member

    876
    90
    Houston, Texas - jetzt wieder Minden, NRW
    Mitgliederkarte

    Also als wir noch im Apartment gewohnt haben, war das doch sehr hellhoerig. Ich haette genau ueber Familienstreitigkeiten und Liebesleben unserer Nachbarn Auskunft geben koennen. Da haette ich mir schon ein wenig mehr Bausubstanz zwischen gewuenscht. Im eigenen, freistehenden Haus ist das etwas anders, da hast du recht. Aber ich war doch leicht erschrocken, als ich mal vorsichtig eine feuchte Stelle in der Badezimmerdecke untersucht habe und dabei mit dem Finger gleich die durchweichte Rigipsplatte durchstossen habe und hoch in den Dachboden schauen konnte.
     
  24. ollie

    ollie Member Ehe-GC

    322
    8
    Land of Lincoln
    Mitgliederkarte

    Der manchmal bis zu den Zaehnen bewaffnete Hausbesitzer... Aber im Ernst, der Gedanke, dass der Einbrecher den Hausbewohner je nach Situation mehr fuerchten muss als umgekehrt, gefaellt mir schon ganz gut. Ich habe dabei selbst keine Waffe, aber auch nur, weil ich mir in meiner Wohngegend ausgesprochen sicher fuehle.
    Was die Soliditaet beim Hausbau angeht, so kommen Einbrecher meist durch Tueren und Fenster, weniger durch Waende. Wer rein will, findet auch in Deutschland immer einen Weg, gerade wenn keiner zuhause ist. Bei Qualitaet und Design gibts hier eine Bandbreite, aber die "Leichtbauweise" gegenueber Deutschland habe ich nie als Faktor bei der Einbruchsicherheit gesehen. Je nach Wohnlage und "Polizeianschluss" sind Alarm- und Kamerasysteme auch effektiver als Praeventivmassnahme.

    Genau, und die einzige Moeglichkeit, einen Tornado im worst case scenario in einem residential Standardhaus hier zu ueberleben, ist ein Keller. Auch beim deutschen Haus waere im theoretischen Vergleich der Schaden gross, wenn alle Fenster rausgepustet sind und das Dach abgedeckt ist, dadurch der Innenbereich zerstoert und das Haus unbewohnbar ist, aber die Mauern stehen wenigstens noch. Beim US Haus mit Keller ist u.U. der Wiederaufbau nicht so schnell wie man denkt, nachdem das Haus aus den Fundamentmauern gerissen wuerde und komplett "weg" ist. Diese Mauern haben dann oft Risse und muessen raus, dann ist das ein kompletter Neubau. Ich habe das ja leider alles selbst erlebt und gesehen...

    You get what you pay for, so herum wird da sicher ein Schuh draus. Die preiswerteste Bauweise haelt vielleicht nicht viel laenger ohne groessere Renovierung. Ein komplett neues Haus ist aber schon noch was anderes. Und es gibt ja auch viele Haeuser hier in weitaus hoeherem Alter, aber sicher besser gebaut.
    Wir haben fuer unser Haus uebrigens etwa das Gleiche gezahlt wie meine Schwester im nicht ganz billigen Wangen im Allgaeu, bei vergleichbarer Groesse. In anderer US Lage haetten wir fuers gleiche Haus locker das dreifache zahlen koennen.
     
  25. Suze gefällt das.
  26. Ezri

    Ezri Adminchen Administrator

    6.034
    148
    Schweiz 8500 Frauenfeld
    Mitgliederkarte

    Der genau weiß, wann der Einbrecher kommt und bis an die Zähne bewaffnet niemals schläft, duscht oder auf dem Klo hockt.
     
  27. Blauregen

    Blauregen Active Member

    876
    90
    Houston, Texas - jetzt wieder Minden, NRW
    Mitgliederkarte

    Ich muss gestehen, einmal sind wir auch mit geladener Pistole auf dem Nachttisch schlafen gegangen. Da haben sie in unserem Viertel jemanden gesucht. Jede Menge Polizei, Absperrungen, und Hubschrauber flogen auch rum. Und ehe derjenige dann ueber die Zaeune in den Backyards klettert und sich dann womoeglich irgendwo versucht, gewaltsam Zutritt zu einem Haus zu verschaffen...

    Die Pistole und auch ein Schrotgewehr hatte sich mein Mann gekauft. Einfach weil es so einfach war. Und er war auch oefter mal damit auf der Shooting Range und hat geuebt. Mein Ding war das ganz und gar nicht und ich fuehlte mich nicht wohl mit den Dingern zusammen unter einem Dach. Ich wollte auch gar nicht wissen, wo er die Dinger aufbewahrt hatte. Fuer jedes Teil war ich einmal mit zum Schiessen und habe damit auch mal rumgeballert. Das Gewehr ging ja noch, also ein paar Tontauben hab ich erwischt, aber bei der Pistole habe ich festgestellt, dass meine Trefferquote wohl hoeher sein wuerde, wenn ich direkt mit dem Ding schmeisse.

    Und einmal hatte ich so richtig Schiss. Eine Stunde vorher habe ich relativ lange mit einer Freundin telefoniert, die ein paar Strassen weiter wohnte und deren Grundstueck direkt an den Parkplatz einer Einkaufszeile grenzte. Das war ein beliebter abendlicher Treffpunkt von Jugendlichen und Drogen wurden dort auch relativ offen vertickt. Auf dem Parkplatz waren Schuesse gefallen. Sie hatte jedenfalls die Polizei gerufen und anschliessend mich angerufen, damit ich sie waehrend der Wartezeit etwas beruhigen konnte. Als ich dann spaeter ins Bett gehen wollte, hab ich hinten am Zaun Krach gehoert. Natuerlich war ich an dem Abend ganz alleine zu Hause. Ich hab mir zwar vor Angst fast in die Hose gemacht, bin dann aber trotzdem mal gucken gegangen. Ohne Pistole, aber mit Taschenlampe und Machete bewaffnet hab ich mich raus getraut. Es sass ein Opossum auf dem Zaun und fauchte und der Hund vom Nachbarn sprang staendig ganz aufgeregt an den Zaun. Da er nicht mehr bellen konnte, gabs halt nur ein hoelzernes Geschepper, wenn er an die Zaunlatten hopste.

    Also so ganz sicher hab ich mich nicht immer gefuehlt.
     

Diese Seite empfehlen